“Das Wesen der gesamten Photographie ist dokumentarischer Art,” (August Sander, 1931).

Das intensive Studium der Fotografie auch seiner Geschichte brachte mich heute zu August Sander und seinen “Menschen des 20. Jahrhunderts”. Noch nie vorher von ihm gehört, war ich umgehend beeindruckt. 1876 geboren – fotografierte er seit den 20er Jahren die Deutschen. Wenn man seine Kontakte kurz ansieht, wird schnell auch eine künstlerische Heimat klar: zum Beispiel Raoul Hausmann (österr. Dadaist) oder Otto Dix (deutscher Expressionist). 1926 gibt er das erste Buch – Antlitz der Zeit – seiner als vollständig geplanten Arbeit “Menschen des 20. Jahrhunderts” heraus. 60 Porträts von Deutschen, das auf eine Weise unprätentiös und ungekünstelt daherkommt. – Sehr im Gegensatz zu einem zu gleicher Zeit fotografierenden Edward Steichen – zum Beispiel. Die Druckstöcke des Buches wurden von den Nationalsozialisten beschlagnahmt vernichtet. Das wundert nicht, wenn man sich seine Porträts ansieht. Keine Beispiele, wie die Ideologen das deutsche Volk gern dargestellt gesehen haben. Als exemplarisch für seine Porträtfotografie wird schon erwähntes “Menschen des 20. Jahrhunderts” bezeichnet. Es ist wie ein Zeugnis der Weimarer Republik und ein Querschnitt der Gesellschaft.

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Einen guten Einblick in die Fotografie Sanders gibt es bei masters of fine art/photography // Die Photografische Sammlung bzw. augustsander.de

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Übermorgen beginnt mein nächstes Praxisseminar. Habe mich diesmal für eine älteres Medium entschieden: Fotografie. Menschenbilder und Posen – kurz Porträts – werden das Thema sind. Gibt einen guten Anlass, einen Klassiker der Porträtfotografie zu erwähnen. Richard Avedon. Er hat seinen Vater porträtiert und selbstverständlich sind diese intimen Aufnahmen grossartig.

Titel: Jacob Israel Avedon, Sarasota, Florida, December 19, 1972 //

Richard Avedon - Jacob Israel Avedon, Sarasota, Florida, December 19, 1972

Home von Richard Avedon via Conscientious

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Neuer Kurs. Grundlagen Fotografie. Gestern gabs die gemeinsame Ausstellungsbegehung. Helmhaus in Zürich, Weltbilder II. Unser Kursleiter Istvan Balogh war mit einer Serie von Frauenporträts vertreten, Sur-Face 2007.

Istvan Balogh - Sur-Face, 2007

Die gesamte Serie ist auf seiner Homepage zu studieren. Mich haben nicht alle Arbeiten dieser Ausstellung angesprochen. Zum Beispiel die drei Fotos aus der Berliner Heimat. Fotos von russischen/polnischen Denkmälern in Berlin – irgendwie nicht. Ist das jetzt sozialistische Romantik, effektvolle Hinweisfotografie oder in welchem Zusammenhang stehen diese Relikte sozialistischer Heldenverehrung?

Etwas mehr konnte ich mit den Arbeiten von Guadalupe Ruiz aus Kolumbien anfangen. Sie fotografierte die Wohnungen unterschiedlicher sozialer Klassen. Je sechs ausgeschnittene Innenansichten, die für je einen Bezirk in Bogotà stehen – die je eine Art soziales Millieu repräsentieren (gemessen an der Kaufkraft seiner BewohnerInnen). Diese sechs sozialen Bereiche werden von der Stadtbehörde geschätzt und sind dann verantwortlich für die Steuern, die in diesen Zonen dann gezahlt werden müssen. Bei den Arbeiten von Ruiz sind dann nicht nur die Unterschiede in der Qualität des Interieurs offensichtlich. Mann kann wunderbar studieren, dass die Strukturen, die formellen und symbolischen Formen, die die Wohnräume auszeichnen gar nicht so unterschiedlich sind. Es braucht immer Sofas, Kissen, Bilder an den Wänden, Nippes und ähnliches. Und an den Wänden hängen Bilder (gerahmt oder nichtgerahmt) von Jesus und/oder Maria oder von kitschigen Landschaften. – Mehr Fotos von ihr auf lupita.ch

Und weil Istvan ein ungarischer Vorname ist und weil es dieses interessante Stück für lau auf der Homepage der Band gibt, stelle ich hier noch eine Band aus Budapest neben den Fotoeintrag.

Zagar – I’m gonna loose (live in Wien) // Band’s Home, myspace

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Was passiert, wenn man eine Kamera an einem belebten Ort einer grossen Stadt positioniert. Sich unweit davon gemütlich niederlässt und wann immer man es für geboten hält, den Auslöser (samt installiertem Schnellblitz) betätigt? Fotos von Passanten, die sich weiterhin ungestört ihren Gedanken hingeben, weil sie ahnunglos von ihrer Porträtierung nichts mitbekommen.

what happens if you put a camera on a busy place of a big city and from a far distance take pictures of people via a remote control? this results in portraits which become obviously all natural. Foto Philip-Lorca diCorcia – Head #8 (2000) // see other 49 photos by diCorcia via artnet.

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Musik In bester Falcett-Manier kommt die revitalisierte Diskomusik auf uns herab. Dank Scissor Sisters dürfen auch solche überdrehten Youngsters wie Mika heran oder die von Giganten beeinflussten Kalifornier.

the revitalisized disco music comes down on us in best falcett-manner. credit to scissor sisters also youngsters like Mika or the by giants influenced californians take their chance. Scissor Sisters – Lights (Ta-Dah, 2006) // visit the website or buy the album via amazon.de. Mika – Love today (Life In Cartoon Motion, 2006) // Mika-space. Under the influence of giants – In the clouds (Under the Influence of Giants, 2006) // home and myspace.

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Cristóbal Hara zeichnet ein Spanienbild, dass wir nicht in Hochglanzmagazinen sehen. Das wir als Fremde so auch wahrscheinlich nicht kennenlernen werden. Das Spanien jenseits von Barcelona und Madrid ist irgendwie archaisch geblieben, möchte man meinen – nachdem man seine Bilder gesehen hat. Da riecht es förmlich nach Blut, Weihrauch und verbranntem Fleisch. Und doch kommt einem keine Sekunde die Frage in den Sinn, ob die Bilder künstlich oder gestellt sind. Man kann sie förmlich sehen, die Abwehr gegen Neues, sie sind wie omnipräsent – die alten Rituale und ein kompromissloses Festhalten an Traditionen, die so einer wie mich das Fürchten lehren. Und dann bin ich froh, lebe ich nicht in der spanischen Provinz.

Cristobal Hara shows spain like we would not find it in glossy magazines. the spain beyond barcelona and madrid somehow did stay wild. at least it looks like this looking at his pictures. there is the smell of blood, burned flesh and holy water in it. yet there is no doubt about if the pics are artistique or set up on purpose. the refuse against something new is obvious – the old rituals and a hold on to traditions without compromises is almost scaring me. and i have to say i am glad to live not there.

Foto Cristóbal Hara – Arcos de la Frontera (1997) // see more georgous images via Few is fine or the guest exhibition in Frank Horvat Gallery.

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Musik El Canto del Loco – A Contracorriente // visit the band on myspace or on their homepage. Prefuse 73 – We go our own way (ft Kazu Blonde Redhead) // at myspace or home. The White Birch – Your Spain (Come Up For Air, 2005) // homepage.

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