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Von der Kunst, eine Liste zu betreiben (Teil 1)

Muss mit den Jahren schwieriger werden, auf Gegen- bzw. Alternativveranstaltungen das Niveau der Anfangsjahre zu halten. Immer schwieriger. Nach meinem Besuch in Basel muss ich feststellen: Je einfacher die sich den Gesetzen des Wohlgefallens verschreibt – im Sinne des Lass-uns-das-Zeug-mal-als-Anlage-betrachten – scheint es proportional unmöglicher, ihr etwas anderes als Wohlgefallen abzugewinnen. Auf die Art gehe ich ja schon nicht mehr. Die Erwartungen wurden immer weniger erfüllt. Umso mehr hatte ich mich immer auf das Neulang gefreut, dass es auf der Liste zu entdecken galt. Vorbei – resümiere ich – ohne Bedauern. Denn es ist kurzweilig, da hindurchzulaufen. Nicht mehr und nicht weniger. Wobei ich mich allerdings frage, wann denn der BigBäng passiert. Wo sich all die Kunst-produzierenden Menschen einmal heftig wie ein Hund nach einem Bad schütteln, und all dieses kryptische Sich-auf-den-Markt-hinorientieren von ihnen abfällt. Da würde ich dann gern mitmachen. Ich freue mich auf die Gegenbewegung, die in Wellen (sprich regelmässig) kommt und die rebelliert und sich einen wirklichen Dreck um Verkäuflichkeit schert und sich dafür mit Dingen auseinandersetzt, die für die meisten schon abgeschrieben sind. – Halt: das ist kein Lamentieren, sondern ganz banales Wunschdenken. – Darf man zwischendrin und zwischendurch mal haben.
Einige wenige Künstler und Künstlerinnen habe ich trotzdem ausgemacht, denen ich von Zeit zu Zeit nachgehen werde.

Jimmy Baker. Ich muss jedoch zugeben, es ist in erster Linie diese Oberfläche, die mein Interesse hervorgerufen hat. Ein spiegelglatter Überzug – mit einem wirklich beeindruckenden Effekt der Makellosigkeit. Ich musste mir die Bilder immer wieder von so nah ansehen, dass es fast schon unangenehm war. Jedenfalls muss ich unbedingt wissen, was es mit diesem “Resin” auf sich hat.

Jimmy Baker - A stillness, Oil and resin on canvas, 2008

Adrian Ghenie – ein Maler aus Rumänien. Sehr düster und nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch erinnert er mich ordentlich an die sozialistischen Realisten. Sein Flight to Egypt habe ich im Netz leider nicht gefunden.

Cyprien Gaillard – Zumindest auf der ästhetischen Ebene funktionieren diese Arbeiten vom Franzosen. Kleine Schwarzweiss-Fotografien, die in Umschlägen stecken, die teileweise zerrissen sind. Das erlaubt einen freigelegten Blick auf die postkartengrossen Ansichten, der erst durch diese geordnete Zerstörung möglich wird. Könnte man im erstem Moment platt und wenig aufregend finden. Aber als Serie funktioniert das wie schon gesagt wenigstens auf der Ebene der Anmutung.

Cyprien Gaillard - New Pictoresque

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Bachelor-Ausstellung in Zürich auf Disco und Techno

Heute gehe ich hier mal in eigener Sache zu Werke. Ab 18h werden ZHdK-weit die - eröffnet. Eine Woche nach den Diplomanden kommen also die dreijährigen zum Zuge. Natürlich kann man nicht auf allen Hochzeiten tanzen – und deshalb bewerbe ich hier mal ausdrücklich unsere DMK-Ausstellung. Die Bildenden Künste, Fotografen und Neuen Medien (jetzt Medialen Künste) haben sich zusammengeschlossen und stellen am Sihlquai 125 aus – im ganzen Haus.

Die eigene Abschlussarbeit ist auch dabei. Für die Wiedererkennung stelle ich mal einen Schnappschuss vom Projekt hierher, falls Zürcher hier mitlesen und abends doch vorbeikommen wollen. (noch ein Link von meinem Heimatinstitut, falls es Schwierigkeiten mit dem Adressefinden gibt.)

Videostill

Das Projekt ist in der Hauptsache ein 17-minütiges Video. Die Installation wird durch ein Reissbrett vervollständig auf dem 32 kleine Tafeln mit Posen aus Business, Sport, Mode und Politik aufgehängt sind. – Das Thema kommt aus einem praxisorientierten Seminar, in dem es in den letzten vier Monaten um genau das ging: Körper, Bilder und Posen.
Ich bin natürlich ziemlich auf die Reaktionen gespannt. – Und ich freue mich auf eine Abschlussparty, die nicht nur die vier Studienbereiche gemeinsam bestreiten (ich habe die Theorie noch nicht genannt) – was ja selten genug vorkommt. Mit einigen der Ausstellenden werde ich dann ab September die Ateliers unseren ersten Master-Studienganges in Fine Arts teilen.

Zur Feier des Tages gibts noch von meiner derzeitigen Discolieblingscombo. Auf betterPropaganda steht mal wieder ein Track zum Herunterladen bereit, den ich mir hierüberhole. Und weil es als Gegenstück so schön trocken ist – lege ich dem Supermayer sein Two of Us nach (wo dem seine Einheit ja ein Zweiheit ist.) Super!

Hercules and Love Affair – Hercule’s Theme (Hercules and Love Affair, 2008) // artists // label :: DFA
Supermayer – Two of Us (Save the world, 2007) // artist // label :: Kompakt // betterPropaganda

 hercules-supermayer.jpg

Flyer zur – den ich persönlich so dämlich finde wir nur was. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Armand Schulthess und die Lebensbibliothek

aus einem Buch von Schulthess
via Film-Schlumpf

Im letzten Semester machte uns Peter Radelfinger auf Armand Schulthess (19.1.1901 Neuchâtel – 29.9.1972 Auressio) aufmerksam. (Darauf hatte ich schon hingewiesen.) Danach hatte ich mal rumgefragt, wer den kennt. Aus meinem Bekanntenkreis konnte sich mal einer ein ‘Ähm, schon mal gehört – aber grad fällt mir der Zusammenhang nicht ein’ abringen. Leider ist das so. Denn was der Mann geschaffen ist, ist sowohl künstlerisch als auch medientheoretisch spannend. Die häufigsten Stichworte sind vielleicht Einsiedler und Sonderling. (Ich habe leider kein Foto von dem Manne finden können. Hätte mich interessiert, wie er ausgesehen hat.)

Man könnte ihn als Aussteiger bezeichnen. Da wird der Mann 50 und sagt seinem Beamtenberufsstand Adieu und kauft sich ein Waldgrundstück im Tessin. Richtet sich ein und kapselt sich ab, um “einen völlig neuen Lebensabschnitt zu beginnen”. So weit, so gut. Nach und nach kaufte er angrenzende Grundstücke dazu und wozu? Um ein riesiges Areal assoziativer Objekte miteinander zu verknüpfen. Sein Grundstück wird eine in Objekten angelegte . Es ging ihm um nicht weniger, als das (sein) Wissen der Welt zusammenzulegen. An Bäumen befestigte er die beschrifteten Deckel von Konservendosen (wie im Bild unten zu sehen). Sein Haus wird eine Bibliothek mit vollständig von ihm angelegten Bänden zusammengetragenen Wissens. Er malte nicht, sondern schrieb aus Zeitungen ab, was ihn interessierte und fügte diese Ausschnitte neu zusammen. Er klassifizierte, was er fand und klebte es in Bücher oder hängte es in die Bäume seines Grundstückes. Auf diese Weise entstanden ein nach Themen geordneter Park, der ein irrsinniger Fundus an zeitgenössischem, vor allem medialem Status Quo hätte werden können.

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Marcel Duchamp und die moderne Kunst

Marcel Duchamp & Prof. Dr. Werner Spies
Foto: wasserscheide.eu

Marcel Duchamp (1887–1968) gilt sicher zu Recht als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und hat die moderne wohl kaum geprägt wie ein anderer. Er zählt zu den Wegbereitern des und des und ist Mitbegründer der . Ich würde behaupten, in Duchamp hatte sich eine Künstlerpersönlichkeit manifestiert, die die Auseinandersetzung in der der zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts dominieren sollte. Jenseits einer Festlegung und damit Festschreibung in und mit Medien. Ihn zeichnet eine durch mediale Unabhängigkeit gekennzeichnete Kreativität aus. Der Zugehörigkeit zu den einzelnen Medien und den ihnen eingeschriebenen Ausdrucksmöglichkeiten ist er immer wieder durch deren Überschreitung entgangen.

Interessant ist er für mich auch, weil er einer der wenigen Künstler der Avantgarde ist, der sich den Zugang zu Technik bzw. den Umgang mit Technologie offen gelassen hat. Mit offen gelassen meine ich, es ist weder eine absolutistische Technikkritik aus seinem Werk herauszulesen, noch eine Anbetung derselben, wie sie von den Futuristen oder Teilen der russischen Avantgarde vertreten wurde.
Dieser Teil seines Schaffens – die Ready-mades – hat später viele Künstler der 60er und 7oer beeinflusst. Das Konzept einer Gegenkunst, die sich mit gefunden Gegenständen und Alltäglichem auseinandersetzte bzw. sie ins Zentrum der Auseinandersetzung nahm. Auch hier war Duchamp seinen Zeitgenossen weit voraus, wenn man sich ansieht, wann er seine ersten Werke inszenierte und wann in grossem Stil umgesetzt wurden. Aus dieser ersten Zeit der Auseinandersetzung um Technik gefällt mir sowohl inhaltlich wie auch von der formalen Lösung sein Fahrrad-Rad ungemein. Es ist von 1913 und verrät einen ironischen Zugang zum Thema, wie es bei dem heiligen Ernst der Russen – den ersten Maschinenkünstlern, die der Einfachheit halber oft als russische Konstruktivisten zusammengefasst werden, viel zu selten war.

Fahrrad-Rad, 1913, Rad auf hölzernem Hocker

An seinem Hauptwerk – das mir bis vor kurzem gänzlich unbekannt war – arbeitete Duchamp mehr als 8 Jahre, von 1915-1923 – um genau zu sein. „Die Neuvermählte/Braut wird von ihren Junggesellen entkleidet, sogar – oder kurz: Das grosse Glas (Öl, Blei Bleidraht, Folie, Staub und Firnis auf Glas). Es ist nicht vollendet und heute in einer “gesprungenen” Fassung erhalten. Es gilt als grossartiger Versuch der aufkommenden Konzeptkunst und hat Duchamp für seine Verhältnisse extrem lange beschäftigt.

Das grosse Glas
(Abbildung via e-art)

Einen interessaten Text findet man bei cosmopolis.ch – Biografie, Leben und Werk – basierend auf Calvin Tomkins: Ein Leben zwischen Eros, Schach und Kunst
Duchamp bei Wikipedia
Empfehlenswert ist der Wikimedia-Bereich zu Duchamp

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Neulich beim Shift (Festival)

Grosses Trommeln und dann war ich doch ein klitzekleinesbisschen enttäuscht. Die offiziellen Exponate fanden sich in einem relativ kleinen Raum wieder. Aber ja nu – das wenige war auf jeden Fall interessant. “Access” war das Thema – wird immer wichtiger. Neue Verteilkämpfe wiederholen und rekapitaliseren die bestehenden Strukturen fast schmerzlich jeden Tag aufs Neue. Logisch haben mich deshalb Projekte wie das “Opera Calling” von Bitnik aus Zürich besonders gefreut. – Zur Erinnerung – im Zürcher Opernhaus wurden Handy-”Wanzen” versteckt, um live Ausführungen zu senden. Und senden ging dann so, dass per Zufallsprinzip Haushalte in Zürich telefonisch angewählt wurden, die dann an den Aufführungen teilhaben kostenlos (leider wohl nicht in bester Qualität). Aber mein heimlicher Renner war dann auch “Picadae” von Christoph Wachter und Matthias Jud. Mit dieser Website können interessierte Menschen (in zensierten Webdomainen) diese Informationsverbote umgehen. Und auch wenn der Dienst von www.picidae.com längst von zum Beispiel von chinesischen Behörden gesperrt wurde, hat die technische Umsetzung längst unzählige Nachahmer gefunden.

Und um kryptische Geleiseecken (neubaslerisch die coole Ecke des Dreispitzareals) gab es ja auch noch die Schau der NoNames, sprich die StudentInnen hatten die Möglichkeit, leere, kalte Eisenbahnwaggons interssanter zu gestalten. – Bleibt zu sagen, die Waggons an sich waren eine super Idee – andererseits wirken die Exponate etwas beziehungslos.

Hier kommen noch ein paar Fotos – die beiden oben zeigen exemplarisch das Projekt “Opera Calling” von Bitnik. Das eine unten zeigt die “Präsentation” von Amazon Noir – einem Projekt, das die Volltextsuche von Amazon dazu benutzte, komplette Bücher gratis herunterzuladen.

Shift 1 Shift Detail Amazon Noir

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