Jamie Stewart hat wieder alles gegeben. Das wäre eine erste und kurze Zusammenfassung. Leider kann man das von Lauren Andrews – seiner musikalischen Partnerin – nicht behaupten. Und da bin ich auch schon mitten im Wehrmutstropfen, den ich dem Konzert letzten Freitag im Magnet-Club (Berlin) attestieren muss. Selten ist mir jemand auf der Bühne so uninspiriert und gelangweilt vorgekommen. Zuweilen hätte ich ihr hin und wieder am liebsten zugerufen, sie solle doch einfach mal ne Pause machen. Denn der Rest der Band – natürlich den Leader eingeschlossen – war richtig bei der Sache. Beim Tour-Schlagzeuger musste man sogar richtig Angst haben, sein Equipment übersteht den Auftritt nicht. Also schön laut das Ganze. Und dazwischen die Xiu-Xiu-typischen Abbrüche im Noise-Universum. Flüstern, Hauchen, Beben – nur um im nächsten Moment noch stärker auszubrechen. Und weil ich es verpasst hatte, mir meine Ohrenschützer zu installieren – und das erst bemerkte, als ich dann schon in der dritten Reihe vor der Bühne stand – (hinter mir alles dicht) – darf ich behaupten, dass an meinen Trommelfellen die volle Ladung Krach ungebremst passieren durfte. Gefühlte Stärke 8 bis 10 (mal von den fast stillen Momenten abgesehen.)

Xiu Xiu – F.T.W. (Women as Lovers, 2008) // homebase // label :: Kill Rock Stars

Konzertschnappschuss - 2. Mai 2008 Magnet Club Berlin Konzertschnappschuss - 2. Mai 2008 Magnet Club Berlin Konzertschnappschuss - 2. Mai 2008 Magnet Club Berlin

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Freude herrscht. Erstens steht ein Berlin-Besuch an. Die alte Heimat und die Sache mit dem Koffer… Und zweitens, aber das klappt ja nicht immer – wartet ein kulturelles Highlight 2008 auf mich. Habe gerade die Karten fürs Xiu Xiu Konzert am 2. Mai geordert. Will ich doch schon so lange sehen und hören. Den Herrn Jamie Stewart und den ganzen unbeständigen Rest der Bande. Jetzt steht in den Last.fm-Konzertbeiträgen schon, dass da sehnsüchtigst der Support-Act Chris Garneau erwartet wird. Bin ich mal gespannt. SingerSongwriter sind ja sonst nicht so mein Ding.

Last.fm stellt download-freundlich ein beherztes und recht typisches Stück vom Herrn Stewart zur freien Verfügung. Das Angebot lasse ich natürlich nicht ungenutzt verstreichen und leite die Musike mal hierhin weiter.

Xiu Xiu – I Broke Up (Fag Patrol, 2005) // homepage (sowieso sehenslesenswert!)

via Universität Minnesota

via The Whole (archive)

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Klaxons logo

Samstag – fürstlich gegessen – da blieb für den Rest des Abends noch das Konzert mit vier hyppen Typen aus Old England. Die Klaxons kamen in Zürich vorbei. Und weil die Jungs fürs Abart wohl schon “zu gross” sind, wurde ins Rohstofflager geladen. Dort hatte ich eines meiner besten Konzerte erlebt – Peaches vor drei Jahren – deshalb war dagegen erstmal nix einzuwenden.

Proppevoll dann der Club. Klar. Die Stimmung schön aufgeladen – was konnte da schief gehen. Nichts eigentlich. Zumal den Klaxons ein fast legendärer Ruf als Live-Band vorauseilt, die keinen Abend anbrennen lassen. Schon bei den ersten Riffs ging die Menge vorn voll mit und hörte nicht mehr auf. Unklar. Denn was die Band da als Live-Ereignis ablieferte war enttäuschende Durchschnittsware. Stück an Stück – eine Zwischenansage – “Zurich”, noch ein paar gemurmelte Worte, wieder Stück an Stück – etwas andere Reihenfolge als auf dem Album – aber sonst. Keine Leidenschaft, keine wilden Interpretationen, keine ausgeflippte Show. Einfach runtergespielt das Zeug – nicht schlecht / OK – aber irgendwie gelangweilt. Eine einzelne Zugabe gabs dann noch. Ein Stückchen sozusagen – aber was will man verlangen von einer Band, die erst ein Album gemacht hat. Da kann man nicht aus einem riesigen Arsenal schöpfen und Vive la Fete heissen.

Ich weiss nicht, woran es gelegen hat – vielleicht hat man die eine Platte inzwischen zu häufig wiedergegeben, vielleicht waren die Jungs müde, vielleicht war es einfach nicht ihr Tag. Und wenn ich dann noch im Moblog der Klaxons lese, dass das Konzert in Zürich besser war als jenes in St. Gallen – tja, dann denke ich so bei mir: sie sollten nach Hause fahren, Pause machen und ein paar neue Stücke aufnehmen.

Klaxons – Golden Skans (Download viamyspace.com) // homepage

Und noch etwas ist mir an diesem Abend unangenehm aufgefallen. Die Band war kaum fertig – das ging es Licht an, Konserve an, Affe tot. Und als wenn das nicht Enzauberung genug wäre, tobten im selben Augenblick schon zwei Leute mit riesigen Besen durch die Menge, um die Halle auszufegen. Hab’ ich noch nie erlebt und ich frage mich, ist das ne Unart vom Abart (kaum vorstellbar) oder Mentalität vom Rohstofflager: wenn Konzert vorbei, raus mit der Meute. Hatte mir gar nicht gefallen, das.

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Vive la Fete!

Sie machen es jedem leicht. Sehr leicht. Auch Nichteingeweihte oder Nur-Begleitungen oder Neue – für alle brauchen Vive la Fete! eigentlich nur runde 5 Minuten – und du bist auf ihrer Seite. Nach meinem inzwischen vierten Konzert kann ich sagen: diese Band ist eine Bank. Jeder Gig eingeprägt, würdig eines Speichervorgangs, der Jahre überdauert. Und immer wieder neu, die Begeisterung direkt danach. Das ist nicht einfach leergefegter Electropop. Das ist Begeisterung am Mischen von Gitarre und Synthie – allein für die Hüfte. Und die kann gar nicht anders als mitmachen. – Und das beste ist natürlich Els Pynoo – ihres Zeichens Muse für den Gitarristen aber eigentlich die Sängerin der Band. Ausstrahlung sagt man dazu. Und dann ist daneben immer noch ein Wundern, wie diese Frau sich bewegt. Mal wie eine Elfe, mal wie eine Ballerina, mal wie ein Fohlen, das ausschlägt – immer elegant. Mit der seltsamen Eigenart, die Bühne barfuss zu betreten, um das gesamte Konzert über auf ihren Ballen zu absolvieren. In der Summe zwingend aufregend.

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