Marcel Duchamp & Prof. Dr. Werner Spies Foto: wasserscheide.eu

Marcel Duchamp (1887–1968) gilt sicher zu Recht als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und hat die moderne Kunst wohl kaum geprägt wie ein anderer. Er zählt zu den Wegbereitern des Surrealismus und des Dadaismus und ist Mitbegründer der Konzeptkunst. Ich würde behaupten, in Duchamp hatte sich eine Künstlerpersönlichkeit manifestiert, die die Auseinandersetzung in der Kunst der zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts dominieren sollte. Jenseits einer Festlegung und damit Festschreibung in und mit Medien. Ihn zeichnet eine durch mediale Unabhängigkeit gekennzeichnete Kreativität aus. Der Zugehörigkeit zu den einzelnen Medien und den ihnen eingeschriebenen Ausdrucksmöglichkeiten ist er immer wieder durch deren Überschreitung entgangen.

Interessant ist er für mich auch, weil er einer der wenigen Künstler der Avantgarde ist, der sich den Zugang zu Technik bzw. den Umgang mit Technologie offen gelassen hat. Mit offen gelassen meine ich, es ist weder eine absolutistische Technikkritik aus seinem Werk herauszulesen, noch eine Anbetung derselben, wie sie von den Futuristen oder Teilen der russischen Avantgarde vertreten wurde. Dieser Teil seines Schaffens – die Ready-mades – hat später viele Künstler der 60er und 7oer beeinflusst. Das Konzept einer Gegenkunst, die sich mit gefunden Gegenständen und Alltäglichem auseinandersetzte bzw. sie ins Zentrum der Auseinandersetzung nahm. Auch hier war Duchamp seinen Zeitgenossen weit voraus, wenn man sich ansieht, wann er seine ersten Werke inszenierte und wann in grossem Stil Ready-mades umgesetzt wurden. Aus dieser ersten Zeit der Auseinandersetzung um Technik gefällt mir sowohl inhaltlich wie auch von der formalen Lösung sein Fahrrad-Rad ungemein. Es ist von 1913 und verrät einen ironischen Zugang zum Thema, wie es bei dem heiligen Ernst der Russen – den ersten Maschinenkünstlern, die der Einfachheit halber oft als russische Konstruktivisten zusammengefasst werden, viel zu selten war.

Fahrrad-Rad, 1913, Rad auf hölzernem Hocker

An seinem Hauptwerk – das mir bis vor kurzem gänzlich unbekannt war – arbeitete Duchamp mehr als 8 Jahre, von 1915-1923 – um genau zu sein. „Die Neuvermählte/Braut wird von ihren Junggesellen entkleidet, sogar – oder kurz: Das grosse Glas (Öl, Blei Bleidraht, Folie, Staub und Firnis auf Glas). Es ist nicht vollendet und heute in einer “gesprungenen” Fassung erhalten. Es gilt als grossartiger Versuch der aufkommenden Konzeptkunst und hat Duchamp für seine Verhältnisse extrem lange beschäftigt.

Das grosse Glas (Abbildung via e-art)

Einen interessaten Text findet man bei cosmopolis.ch – Biografie, Leben und Werk – basierend auf Calvin Tomkins: Ein Leben zwischen Eros, Schach und Kunst Duchamp bei Wikipedia Empfehlenswert ist der Wikimedia-Bereich zu Duchamp

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Mitwochs Zeichnen bei Peter Radelfinger. Dankenswerterweise beschränken sich seine Unterweisungen nie auf die eigentliche Aufgabe. Heute gab es den Hinweis zum Konzeptkünstler Ilja Kabakow (*1933) dazu. Kurz gegoogelt, Website aufgeschlagen und mir tat sich ein Universum auf. Ohne es zu merken, ging eine Stunde ins Land und ich hatte gerade mal oberflächlich die Fundstücke überflogen. Selten schien mir der Versuch, jemandes Werke zu betrachten so ungenügend. Was für ein sinnenloses Erlebnis, diese Dinge auf einer zweidimensionalen Monitorfläche zu betrachten. Wie müssen diese Konzepte und Installationen erst im real life wirken? Seit seiner Emigration aus der UdSSR 1989 lebt er in New York. Die Schweiz darf für sich in Anspruch nehmen, seine erste Ausstellung im Westen gezeigt zu haben. In Bern. 1987 in der Kunsthalle.

Das faszinierende an seinen Arbeiten sind sowohl der Schaffensprozess selbst, der ausführlich dokumentiert wird von ihm, als auch die spektakulären Arbeiten. Man kann nicht wirklich sagen, dass sie monumental sind oder gigantisch. Stattdessen sie sind extrem umfangreich, imposant, raumgreifend. In seiner Kunst reflektiert er seine russische Herkunft, die Mentalität seiner Landsleute. Dabei ist ihm eine grosse Anteilnahme an den Menschen seiner ehemaligen Heimat eigen, die man selten in der Kunst findet. Meist arbeiten sich gegenwärtige Künstler ja eher an den Eigenheiten ihrer Mitmenschen ab. Seine aufwendigen Installtationen entstehen in Partnerschaft mit seiner Ehefrau Emilia Kabakow.

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Date Painting, (Today-Serie, 1976), via Kunstverein BS.

Die Themen des japanischen Konzeptkünstlers On Kawara: Zeit, Zeitlichkeit und die Transformation zeitlich bestimmter, biografischer Einschnitte in Kunst. Dabei symbolisiert sein Werk die völlige Reduktion auf durch die Persönlichkeit definierte Zeitpunkte, symbolisiert im Datum. Einer Reise, einer Begegnung eines Ereignisses.

Sein erstes Date Painting erstellte er am 4. Januar 1966. Die unbegrenzte Serie Today umfasst heute 1900 Einzelbilder, die nichts anderes als ein Datum auf meist dunklem (manchmal rotem oder blauen) Grund festhalten. Jedes Bild wird in eine eigens dafür erstellte Schachtel verpackt, in der auch Zeitungsausschnitte desselben Tages hineingelegt werden. Eine seiner Werkregeln sieht vor, dass ein Bild zerstört wird, wenn der Künstler es nicht schafft, es an dem Tage fertigzustellen, den das aufgemalte Datum bezeichnet. Konsequenz.

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