Mein eigener Aufenthalt vor vier Jahren in Mittelamerika hat mein Bild von diesem Teil der Erde deutlich geprägt. Vorher setzte sich dieses Bild allein aus Medien vermittelten Eindrücke zusammen, die über das Mass an ungeährem Vorstellen ja nicht hinausgehen. Es war meine erste Reise in eine Region, in der Armut normal – und die dazugehörige Gewalt unerträglich gegenwärtig ist – auch wenn sie vor den eigenen Augen natürlich nicht stattfindet. Und ich war geschockt von dem Leben, dass Indigenas in Guatemala führen müssen, verstört von den noch immer im Wachstum befindlichen Bananen-Monokulturen in Honduras und angewidert von den täglich zelebrierten Gewaltdarstellungen in den Tageszeitungen (Nicaragua ausgenommen). Die Fotografien von Victor J Blue wecken all diese Eindrücke wieder und erinnern an jene seltsame Zerrissenheit, wenn man sich als Touristin in solchen Regionen aufhält. – Dieses Wissen- und Hinsehenwollen – das man ohne Schuldgefühle nicht haben kann. Oder man setzt diesen ethnologischen Blick auf – der Empathie als störendes Element in der Wahrnehmung zurückzuweisen versucht. Geht alles nicht und ich musste mir eingestehen – dass genau dieses Irritiertsein zu dieser Art von Reiseerfahrung gehört.

Crosses mark the graves of uknown immigrants that died in the desert, CA. Old indigenous woman at the US border fence, Mexicali.

Victor J Blue // via verve photo

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bzw. Neuauflage von Robert Franks “The Americans”. Und weil mir das tatsächlich noch in meinem Regal fehlt, gehöre ich zu den Freuern.

Und dann war ich mir eigentlich so sicher, dass es hier schon vor Monaten ein Posting zu Robert Frank gegeben hätte. Aber der Blog sagt Nein. Tja so kann man sich täuschen. Auf jeden Fall werde ich zusehen, diesemal rechtzeitig ein Exemplar zu ergattern, bevor auch diese Serie wieder ausverkauft und dann vergriffen ist. (Das Vorwort von Jack Kerouac werde ich mit Interesse aufnehmen – auch wenn ich gestehen muss, dass seine Literatur mich nicht umgehauen hat – aber das wird ein Problem der Zeitverschiebung sein.)

Robert Frank U.S. 285, New Mexico 1956 Robert Frank U.S. 285, New Mexico 1956 gelatin silver print, 13-1/2 x 9-3/4 inches Courtesy the Metropolitan Museum of Art

Der gebürtige Schweizer (der allerdings einen grossen Teil seines Lebens in America bestreitet) gehört zu den meistzitierten Fotografen des letzten Jahrhunderts. Und eben diese Serie in Bild gebannter amerikanischer Kultur dürfte zu den eher influssreichen Fotoarbeiten gehören. Als Anhängerin des puristischen Schwarz-Weiss und vor allem als Verfechterin einer (nicht näher definierbaren aber vorhandenen) Distanz zwischen den Objekten um dem Fotografen gehört Robert Frank logischerweise zu meinen Favoriten. (Ähnlich der Farbfotografien von Stephen Shore.)

ausführlich schreibt darüber Steidl, der diese guten News zu verantworten hat. Gefunden via Sonic Blog.

Eine kleinen Einblick gibt es auf dem Yale-Server: Route 66, Cruising the American Dream.

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