22:00 Man schaut das ja nur, um den MitbewohnerInnen nicht den Spass zu verderben. Klar. Ich frage mich inzwischen, ob diese Musik Osteuropas Rache für den EU-Beitritt ist. Oder was soll man von dieser Ansammlung niveaulosen Liedgutes halten. Pathos und Kitsch völlig von der Rolle gelassen. Und da heisst dann, es wird der europäische Geschmack gekürt. (Über dieses von den Westeuroäern geschmähte Voting-Procedere, bei dem sich Ost- und Westeuropa geschmäcklerisch auseinanderdividieren, will ich hier gar nicht reden.) Wer diesen Wettbewerb gewinnt, ist mir herzlich egal. Man kann nur allen Radiohörern wünschen, die um Argovia oder Radio 24 nicht herumkommen, es mögen diejenigen gewinnen, bei dem einem nicht nach dem dritten Mal nicht Tötungsphantasien anfallen. Frankreich wäre für mich dieses Jahr heissester Anwärter auf den Titel unauffälligster Vortrag. Mal abgesehen von den bärtigen Backing-Vocals. Die waren sogar ‘ne Wucht und leider zu wenig im Bild. Auch sonst war der Vortrag angenehm von Ironie begleitet. – Da darf ich kurz anmerken. Hier bei uns lief der österreichische Kommentar – eine Prise wienerischer Humor ist immer noch besser als das, was bei den Deutschen läuft. Da ist der Abend gleich doppelt schlimm – und die eidgenössischen Kommentare sind leider wie eingeschlafene Füsse.

23:00 Wie es aussieht, gewinnt eines dieser Bunnys, die nicht tanzen können, nicht zu singen vermögen und eigentlich auch keine Ausstrahlung haben. Dafür wie blöde ins Microfon kreischen und ihre Titten unter ein bisschen Tüll hin- und herschaukeln. Auf vordersten Plätzen Griechenland mit einer unglaublich schlechten Britney-Spears-Kopie. Zur Zeit pendeln sich die gleichfalls blöden No Angels am Ende der Skalea mit Null Punkten ein. Ich will ja nicht schadenfroh sein, aber sollte sich am Ende herausstellen, dass diese 4 Damen leer nach Hause fahren, dann geht ja vielleicht noch der Kelch einer Reunion an uns vorüber. Wäre ja nicht das schlechteste Ergebnis. Upps. Bulgarien hat die No Angels gerade vor einem Desaster gerettet. Schade eigentlich.

23:30 Was mich etwa zum Zwischenstand mächtig beunruhigt. Es sieht nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Griechenland und Russland aus. Nicht auszudenken, wenn der Russe gewinnt. Nicht nur was das einer der geschmacklosesten Vorträge heute abend. Man darf sich heute schon vorstellen, wie im nächsten Jahr sämtliche sicheren Anwärter sich auf einen von Timbaland produzierten Track verlassen. Schlimmschlimm.

23:40 Muss man eigentlich bei solch einer Veranstaltung annehmen, dass sich hier regelmässig schlechter Geschmack durchsetzt? Das ganze Ding ist eine einzige Ansammlung von Musik, die diesen Namen ja kaum verdient. Wir hätten hier unsere Stimme allesamt Frankreich gegeben. Sagte ich ja schon. Und wir hatten gleichzeitig gewettet, dass das nicht den Geschmack der Osteuroäer trifft. Das hat wohl was mit unterschiedlichem Verständnis von Humor in der Popmusik zu tun.

00:01 Russland scheint nicht mehr aufzuhalten. Leider nimmt die Nummer mit Timbaland doch Formen an.

00:05 And the Winner is: Russia. Das wird ja ne feine Sache nächstes Jahr dann. In Moskau.

Die grossen westeuropäischen Nationen serbeln alle am Ende der Veranstaltung herum. Grossbritannien das Schlusslicht, dicht gefolgt von Deutschland (vorletzte). Die weiteren hinteren Plätze belegen Frankreich und Spanien.

Bildquelle: www.rp-online.de

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Jamie Stewart hat wieder alles gegeben. Das wäre eine erste und kurze Zusammenfassung. Leider kann man das von Lauren Andrews – seiner musikalischen Partnerin – nicht behaupten. Und da bin ich auch schon mitten im Wehrmutstropfen, den ich dem Konzert letzten Freitag im Magnet-Club (Berlin) attestieren muss. Selten ist mir jemand auf der Bühne so uninspiriert und gelangweilt vorgekommen. Zuweilen hätte ich ihr hin und wieder am liebsten zugerufen, sie solle doch einfach mal ne Pause machen. Denn der Rest der Band – natürlich den Leader eingeschlossen – war richtig bei der Sache. Beim Tour-Schlagzeuger musste man sogar richtig Angst haben, sein Equipment übersteht den Auftritt nicht. Also schön laut das Ganze. Und dazwischen die Xiu-Xiu-typischen Abbrüche im Noise-Universum. Flüstern, Hauchen, Beben – nur um im nächsten Moment noch stärker auszubrechen. Und weil ich es verpasst hatte, mir meine Ohrenschützer zu installieren – und das erst bemerkte, als ich dann schon in der dritten Reihe vor der Bühne stand – (hinter mir alles dicht) – darf ich behaupten, dass an meinen Trommelfellen die volle Ladung Krach ungebremst passieren durfte. Gefühlte Stärke 8 bis 10 (mal von den fast stillen Momenten abgesehen.)

Xiu Xiu – F.T.W. (Women as Lovers, 2008) // homebase // label :: Kill Rock Stars

Konzertschnappschuss - 2. Mai 2008 Magnet Club Berlin Konzertschnappschuss - 2. Mai 2008 Magnet Club Berlin Konzertschnappschuss - 2. Mai 2008 Magnet Club Berlin

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Hach – dafür liebe ich das Netz und Youtube und alle anderen auch. Das man sowas findet überhaupt – und das einem den noch jungen Abend so versüsst. Gleich bin ich weg, Sushis vertilgen. Aber bis dahin nochmal und nochmal und nochmal. Und dann sage ich noch. Mark E. Smith in neu: Von Südenfed. Superplatte. Muss ich gleich noch das Vinyl auf den Plattenteller legen und dann ich bin ich so richtig in Stimmung für die japanischen Röllchen. <G>

Von Südenfed – Slow Down Ronie (Tromatic Reflexxions, 2007) // myspace // label:: Domino Rcords // wie so oft via betterPropaganda

via Conscientious

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Freude herrscht. Erstens steht ein Berlin-Besuch an. Die alte Heimat und die Sache mit dem Koffer… Und zweitens, aber das klappt ja nicht immer – wartet ein kulturelles Highlight 2008 auf mich. Habe gerade die Karten fürs Xiu Xiu Konzert am 2. Mai geordert. Will ich doch schon so lange sehen und hören. Den Herrn Jamie Stewart und den ganzen unbeständigen Rest der Bande. Jetzt steht in den Last.fm-Konzertbeiträgen schon, dass da sehnsüchtigst der Support-Act Chris Garneau erwartet wird. Bin ich mal gespannt. SingerSongwriter sind ja sonst nicht so mein Ding.

Last.fm stellt download-freundlich ein beherztes und recht typisches Stück vom Herrn Stewart zur freien Verfügung. Das Angebot lasse ich natürlich nicht ungenutzt verstreichen und leite die Musike mal hierhin weiter.

Xiu Xiu – I Broke Up (Fag Patrol, 2005) // homepage (sowieso sehenslesenswert!)

via Universität Minnesota

via The Whole (archive)

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Klaxons logo

Samstag – fürstlich gegessen – da blieb für den Rest des Abends noch das Konzert mit vier hyppen Typen aus Old England. Die Klaxons kamen in Zürich vorbei. Und weil die Jungs fürs Abart wohl schon “zu gross” sind, wurde ins Rohstofflager geladen. Dort hatte ich eines meiner besten Konzerte erlebt – Peaches vor drei Jahren – deshalb war dagegen erstmal nix einzuwenden.

Proppevoll dann der Club. Klar. Die Stimmung schön aufgeladen – was konnte da schief gehen. Nichts eigentlich. Zumal den Klaxons ein fast legendärer Ruf als Live-Band vorauseilt, die keinen Abend anbrennen lassen. Schon bei den ersten Riffs ging die Menge vorn voll mit und hörte nicht mehr auf. Unklar. Denn was die Band da als Live-Ereignis ablieferte war enttäuschende Durchschnittsware. Stück an Stück – eine Zwischenansage – “Zurich”, noch ein paar gemurmelte Worte, wieder Stück an Stück – etwas andere Reihenfolge als auf dem Album – aber sonst. Keine Leidenschaft, keine wilden Interpretationen, keine ausgeflippte Show. Einfach runtergespielt das Zeug – nicht schlecht / OK – aber irgendwie gelangweilt. Eine einzelne Zugabe gabs dann noch. Ein Stückchen sozusagen – aber was will man verlangen von einer Band, die erst ein Album gemacht hat. Da kann man nicht aus einem riesigen Arsenal schöpfen und Vive la Fete heissen.

Ich weiss nicht, woran es gelegen hat – vielleicht hat man die eine Platte inzwischen zu häufig wiedergegeben, vielleicht waren die Jungs müde, vielleicht war es einfach nicht ihr Tag. Und wenn ich dann noch im Moblog der Klaxons lese, dass das Konzert in Zürich besser war als jenes in St. Gallen – tja, dann denke ich so bei mir: sie sollten nach Hause fahren, Pause machen und ein paar neue Stücke aufnehmen.

Klaxons – Golden Skans (Download viamyspace.com) // homepage

Und noch etwas ist mir an diesem Abend unangenehm aufgefallen. Die Band war kaum fertig – das ging es Licht an, Konserve an, Affe tot. Und als wenn das nicht Enzauberung genug wäre, tobten im selben Augenblick schon zwei Leute mit riesigen Besen durch die Menge, um die Halle auszufegen. Hab’ ich noch nie erlebt und ich frage mich, ist das ne Unart vom Abart (kaum vorstellbar) oder Mentalität vom Rohstofflager: wenn Konzert vorbei, raus mit der Meute. Hatte mir gar nicht gefallen, das.

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