Mein eigener Aufenthalt vor vier Jahren in Mittelamerika hat mein Bild von diesem Teil der Erde deutlich geprägt. Vorher setzte sich dieses Bild allein aus Medien vermittelten Eindrücke zusammen, die über das Mass an ungeährem Vorstellen ja nicht hinausgehen. Es war meine erste Reise in eine Region, in der Armut normal – und die dazugehörige Gewalt unerträglich gegenwärtig ist – auch wenn sie vor den eigenen Augen natürlich nicht stattfindet. Und ich war geschockt von dem Leben, dass Indigenas in Guatemala führen müssen, verstört von den noch immer im Wachstum befindlichen Bananen-Monokulturen in Honduras und angewidert von den täglich zelebrierten Gewaltdarstellungen in den Tageszeitungen (Nicaragua ausgenommen). Die Fotografien von Victor J Blue wecken all diese Eindrücke wieder und erinnern an jene seltsame Zerrissenheit, wenn man sich als Touristin in solchen Regionen aufhält. – Dieses Wissen- und Hinsehenwollen – das man ohne Schuldgefühle nicht haben kann. Oder man setzt diesen ethnologischen Blick auf – der Empathie als störendes Element in der Wahrnehmung zurückzuweisen versucht. Geht alles nicht und ich musste mir eingestehen – dass genau dieses Irritiertsein zu dieser Art von Reiseerfahrung gehört.

Crosses mark the graves of uknown immigrants that died in the desert, CA. Old indigenous woman at the US border fence, Mexicali.

Victor J Blue // via verve photo

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Neuer Kurs. Grundlagen Fotografie. Gestern gabs die gemeinsame Ausstellungsbegehung. Helmhaus in Zürich, Weltbilder II. Unser Kursleiter Istvan Balogh war mit einer Serie von Frauenporträts vertreten, Sur-Face 2007.

Istvan Balogh - Sur-Face, 2007

Die gesamte Serie ist auf seiner Homepage zu studieren. Mich haben nicht alle Arbeiten dieser Ausstellung angesprochen. Zum Beispiel die drei Fotos aus der Berliner Heimat. Fotos von russischen/polnischen Denkmälern in Berlin – irgendwie nicht. Ist das jetzt sozialistische Romantik, effektvolle Hinweisfotografie oder in welchem Zusammenhang stehen diese Relikte sozialistischer Heldenverehrung?

Etwas mehr konnte ich mit den Arbeiten von Guadalupe Ruiz aus Kolumbien anfangen. Sie fotografierte die Wohnungen unterschiedlicher sozialer Klassen. Je sechs ausgeschnittene Innenansichten, die für je einen Bezirk in Bogotà stehen – die je eine Art soziales Millieu repräsentieren (gemessen an der Kaufkraft seiner BewohnerInnen). Diese sechs sozialen Bereiche werden von der Stadtbehörde geschätzt und sind dann verantwortlich für die Steuern, die in diesen Zonen dann gezahlt werden müssen. Bei den Arbeiten von Ruiz sind dann nicht nur die Unterschiede in der Qualität des Interieurs offensichtlich. Mann kann wunderbar studieren, dass die Strukturen, die formellen und symbolischen Formen, die die Wohnräume auszeichnen gar nicht so unterschiedlich sind. Es braucht immer Sofas, Kissen, Bilder an den Wänden, Nippes und ähnliches. Und an den Wänden hängen Bilder (gerahmt oder nichtgerahmt) von Jesus und/oder Maria oder von kitschigen Landschaften. – Mehr Fotos von ihr auf lupita.ch

Und weil Istvan ein ungarischer Vorname ist und weil es dieses interessante Stück für lau auf der Homepage der Band gibt, stelle ich hier noch eine Band aus Budapest neben den Fotoeintrag.

Zagar – I’m gonna loose (live in Wien) // Band’s Home, myspace

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Heute wieder einmal Schwarzweiss. Immer wieder bin ich fasziniert davon, welche Wirkung Licht gerade auf Schwarzweiss-Fotografien hinterlässt. Mit Martin Chambi (1891 – 1973) demonstriert das einer der wenigen indegenen Künstler, die über ihre Heimat hinaus bekannt wurden.

for today some stuff in black and white. i am always fascinated by the light on black and white images. Martin Chambi (1891-1973) demonstrates his skill in this art and became famous with it not only in his own country.

Foto Martín Chambi Jiménez – Amanecer en la Plaza de Armas Cusco (1925) // see more photos at artist’s archive.

Martin-Chambi_callemantas.jpg

Musik Fast in Vergessenheit geraten ist wohl diese Ausnahmekünstlerin Yma Sumac (homepage). Vereinnahmt vom amerikansichen Pop der 50er und 60er. Aber der Stimmenumfang – genial. Ich durfte sie vor einigen Jahren bei einem Konzert in Berlin live erleben. Und war erstautn, was für eine Energie die damals 70jährige auf die Bühne brachte. Leider konnten die ihr zur Seite gestellten Berliner Musiker ihrem Temperament nicht annähernd gerecht werden und zuckelten der Diva mit den Instrumenten immer ein paar Takte hinterher. Eine etwas ausführlichere, deutschsprachige Biografie bei caiman.de oder die offizielle .com-Seite.

almost forgotten got the exceptional artist Yma Sumac among the us pop of the fiftis and sixtis. she has a genuine voice though. i saw her performe in berlin a couple years ago. the energy she put on stage with 70 was amazing and the musicians could not really follow her. read more about her at caiman.de or on the official .com site.

Chicken Talk (Mambo, 1955) Gopher (Mambo, 1955) Taki Rari (Mambo, 1955) Ataypura (High Andes) – (Voice of the Xtabay, 1950)

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Bilder aus Reportagen herauszulösen, ist immer etwas heikel. Heute habe ich mir den Fotografen Simon Norfolk ausgesucht. Norfolks Arbeiten gehören für mich zu den intensivsten Dokumenten der letzten Jahre. Er schafft es den dokumentierenden Blick mit einer unnachahmlichen Bildgewalt in Szene zu setzen. Neben seinen bekannten Arbeiten zu Bosnien (Bleed, 2005) und Afghanistan rückt er unterschiedlichste Themen in den Fokus – nicht nur seiner Kamera: Flüchtlingslager, filmische Kriegsschauplätze, Strände an der Normandie, an denen 1944 die Alliierten landetetn, die Welt der Supercomputer, der Wahlkampf zwischen Bush und Kerry oder Enchelon. Niederschmetternd ist seine Schwarz-Weiss-Serie zum Thema Genozid.

to seperate pictures from reports is always a little bit dangerous. today i picked the photographer Simon Norfolk. the work of norfolk is for me one of the most intense documentions of the last years. he succeds in putting the documentary eye together with outstanding rich images. besides his well known work to Bosnien (Bleed, 2005) and afghanistan he works now on different subjects: refugee camps, places of war, the beach in the normandie where the invasion took place, the world of supper computers, the election campaign between bush, kerry or enchelon. depressing is his black and white serie to the subject genozid.

Foto Simon Norfolk – untitled (old biplane, Afghanistan: chronotipia) // artist’s homepage – highly recommended

Simon-Norfolk_old-biplane.jpg

Musik Xiu Xiu – Pox (La Foret, 2005) // meet Xiu Xiu via the homepage.

+ del.icio.us

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Faszinierend. Nicht nur die Fotos. Schon die Story. Friesische Mennoniten, die vor mehr als 50 Jahren nach Paragay auswanderten. Im ersten Moment fragt man sich noch, wo in Brandenburg das sein könnte. Aber dann sind da diese Rinder, Lassos, Hüte und schliesslich das Licht, das es so nicht Deutschland wohl nicht gibt. Schöne besinnliche Fotos die etwas von dem vermitteln, was mir sich anders schon gar nicht mehr erschliesst – ein Leben, das vorrangig mit Religion und Traditionen erschliesst. Kerstgens Bilder können mir zumindest eine Ahnung davon vermitteln. Und zu diesem Foto sind Mindlobster’s passend auf Sendung.

fascinating. not only the pictures, already the story is. friesisch mennonites who immigrated more than 50 years ago to paraguay. in the first moment one might wonder where in Brandenburg the subjects are supposed to be. but then there is the beef, lassos, huts and finally the special light which is hard to find in germany. beautiful pictures who speak of a traditional and spiritual world which is uncommon to us. Kerstgens images can catch an idea of it. coming with this photo are Mindlobster.

Foto Michael Kerstgens – Untitled (German Mennonites) // see the complete set here. (via Conscientious)

Michael-Kerstgens.jpg

Musik Mindlobster – Tansmitters for God // go to homepage; at myspace.com

+ del.icio.us

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