startseite mail an mich! abonnieren

Archive for kunst

Heute entdeckt – Chaim Soutine

Chaim SoutineChaïm Soutïne (1893 – 1943) – ein weissrussischer Jude, den es ins Paris der Moderne zog. Er galt als ungestümer Mensch, was ich grundsätzlich schätze. Als Künstler ist er mir erstaunlicherweise bisher verborgen geblieben. Wohl auch, weil einige seiner Freunde es zu mehr Ruhm gebracht haben. Modigliani z. B. oder Picasso. Gleichfalls fast rätselhaft ist, dass er relativ unabhängig blieb von den Einflüssen der Avantgarde Westeuropas. Nachdem er die ersten 30 Jahre seines Lebens in Armut lebte, brachte ihm seine Malerei ab Anfang der 20er Jahre finanziellen Erfolg. Sein Leben war in seinen letzten Monaten von der Flucht vor der deutschen Besetzung Frankreichs geprägt.

Ich bin erstaunt über die Farben, die es an Intensität mit jener von Oskar Kokoschka, Marc Chagall oder anderer Vertreter der Brücke aufnehmen können. Und ich bin erstaunt über die expressive Schärfe, seinen Ausdruck. Das Licht in seinen Bildern erinnert mich an die Malerei des 17. Jahrhunderts. Und es überrascht mich keineswegs, dass als seine Einflüsse El Greco und Velasquez genannt werden. Wahrscheinlich haben seine Bilder deshalb so eine starke Wirkung auf mich. Noch stärker beeinflusst haben ihm (nach Wiki-Eintrag) Cézanne, van Gogh und Bonnard, gegen die ja auch nur wenige ernsthaft etwas einwenden werden. <G>

Neben Portraits von Freunden hat er tatsächlich doch ziemlich viele Landschaftsbilder gemalt und Tiere. In seinem frühen Bilder sind es vor allem Bilder geschlachtete Tiere. Später waren es eher lebendige denn tote.

Soutine Bild 1 Soutine Bild 2
Soutine Bild 3 Soutine Landschaft bei Cagnes

Die nächste Ausstellung, die ich ohne weiteres noch erreichen kann, ist in der Galerie Thomas, München angekündigt; vom 26. März bis 16. Mai.

Chaïm Soutïne bei Wikipedia

tags: Malerei, Moderne, Paris

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Ma.Gnolia

Rettung durch Luc Tuymans

Luc TuymansGestern hatte ich mal wieder versucht, eine institutionelle Konferenz mit Thema Kunst zu besuchen. Das Schaulager in Basel hatte geladen, sich mit dem Grund – als Feld des Sichtbaren  auseinanderzusetzen. Die internationale Tagung von eikones NFS Bildkritik – las sich zunächst recht interessant – und der erste Referent, Prof. Gottfried Boehm aus Basel versprach eine hochkarätige philosophische Veranstaltung mit seinem “Der Grund und die Gründe”.

Auf dem Grund stehen wir, er trägt uns. Wenn wir einen Grund angeben sollen, meinen wir eine kausale Bestimmung und sprechen vom Begründen. Aber auch bei Bildern können wir einen Grund benennen. – Die Beschäftigung mit dem Grund war lange Zeit von den einflussreichen Theoremen der Gestaltpsychologie beherrscht. (…)

Doch im Laufe der folgenden zwei Vorträge machte sich in mir gähnende Langeweile breit und Erstaunen. Erstaunen darüber, wie verknarzt, verknattert und jenseitig sich kunsthistorische Dispute gestalten, wenn sie mehr wollen, als mal eben Interpretationen an alten Bildern vorzunehmen. – Künftig wird mir das eine Warnung sein und werde um Veranstaltungen einen möglichst grossen Bogen machen, die sich anschicken, das philosophische Gründeln über Bilder in der Kunst zum Programm zu machen.

Einziger Licht- und Ausblick der Veranstaltung, die noch heute und morgen weitergeht, von der ich mich zumindest für heute empfehle, war der letzte Vortrag. Praxisorientiert, wie ja Kunsthistoriker sind, kam ein Künstler zu Wort. In dem Fall Luc Tymans, von dem ich (zu meiner Schande gestehend) bis dahin nichts wusste. Inzwischen ist er meinem Facebook-Fantum beigefügt worden. Eine ausführliche Beschäftigung mit seinen Werken wird folgen. Denn nicht nur war der gute Mann erfrischend anders – als die akademischen Hohepriester von Bedeutung, Grund, Feld, Topografie und dergleichen. Er war inhaltlich extrem spannend und vieles, was ihn umtreibt, beschäftigt auch mich. Zusätzlich kommen mir seine ästhetischen Umsetzungen bei konkreten Anliegen sehr vertraut vor. – Ich bin gespannt – und werde versuchen, ihn zu uns in den Master einzuladen.

tags: akademisch, eikonos, Grund, kunstgeschichte, Luc Tuymans

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Ma.Gnolia

Villainaire – Kunstgriffe aus Seattle

Villainaire - CoverEines meiner Lieblingslabels (muss so sein, ich habe mehr als 12 Alben von denen) wartet im August mit neuem Material auf. Constellation aus Kanada bringt für gewöhnlich sehr Prog-Rockiges heraus. Mit Goodspeed You! Black Emperor, Silver Mt Zion, Do Make Say Think, Polmo Polpo oder Fly PAN AM stehen die Eckdaten ziemlich deutlich schon da. Jetzt hat sich recht Kunstvolles dazugetan – nicht zum ersten Mal. Es sei an Elizabeth Anka Vajagic und Hrsta erinnert.

Schade, wohne ich nicht in der Nähe von Seattle, denn dort gibt es in der ersten Septemberwoche einen multi-media cultureclash – wie es auf der Labelseite heisst. Kann ich mir nix drunter vorstellen, aber so wie die Band klingt, dürfte das ein Spektakel werden. Danach geht die Band auf Tour. Nordamerika. Und danach Europa. Da heisst es aufpassen, Freunde des gehobenen Musikgeschmacks.

Für Zweifler weise ich auf ein Mixtape hin, dass in den nächsten Wochen gratis feilgeboten wird. Mit alternativen Versionen ihres Albums. Einstweilen darf geneigter Fan schon mal ein feines Stück der Platte haben. Grossartig!
The Dead Science – Throne of Blood (Villainaire, 2008) // artists // label :: Constellation (Übrigens: in Europa kommt das Teil geschätzte 7 Tage vor dem Rest der Welt raus.)

Band Photo

 

tags: mp3, musik, neuerscheinung

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Ma.Gnolia

Jagdsaison in Berlin

Der nächste Besuch in der alten Heimat steht an. Und glücklich finde ich rechtzeitig Ankündigungen für die künstlerische Bildung. Zum Beispiel diese für die Galerie Spesshardt & Klein. Dort hat sich Peter Lang dem Thema unterwegs in/mit Waffen gewidmet; genauer gesagt dem Kugelfang. Das sieht alles sehr interessant aus, zumal ohne Zweifel allein das Thema schon eine Reise wert wäre. 17 Beiträge hat die Galerie zusammengetragen von:
Roland Boden, Martin Dammann, Roland Fuhrmann, Christine de la Garenne, Moritz Götze, Herman van Ingelgem, Chrstinane Klatt, Alicja Kwade, Via Landowsky, Serkan Özkaya, Jenny Rosemeyer, Philip Topolovac, Kris Vleeschouwer, Jorine Voigt, Eva-Maria Wilde, Markus Wirthmann, Ralf Ziervogel.

Abbildung Flyer

Kugelfang vom 19. Juli – 30. August 2008 Rudi-Dutschke-Str. 18, 10969 Berlin

Was es epistemologisch mit dem Kugelfang auf sich hat, kann im Einleitungstext zur Ausstellung nachgelesen werden.
Gefunden im Therotischen-Hilfs-Werk.

tags: ausstellung, Berlin, kunst

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Ma.Gnolia

Reise in die Vergangenheit

So würde man dieses leidige Kapitel der Urheberrechte und deren Verletzungen im Zeitalter von Internet & Co. gern benennen. Heute las ich im Kunst-Blog.com vom nächsten Kapitel in Sachen widerrechtlich verwendeten Bildmaterials in Blogs – das eigentlich nicht die Spur einer Urheberrechtsverletzung hat. Ein Bild abzubilden, als Bebilderung eines Berichtes, der mit jenem Bild in Zusammenhang steht – zum Beispiel der Bericht über eine Ausstellung, Galerie etc. – kommt doch nach meinem gesunden Menschenverstand nicht einer Urheberrechtsverletzungt gleich. Ich meine nicht nach aktuellem Recht – sondern nach common sense.
Was im aktuellen Fall zusätzlich seltsam ist, ist die Fristenlösung – auf die sich der Kunst-Blog und die VG Bildkunst geeinigt haben. Es wird erlaubt, für eine befristeten Zeitraum – Berichterstattung – Bildmaterial über Künstler/Werke zu verwenden. Dann muss das Zeug runter vom Netz. – Wie darf man das verstehen: als die Erlaubnis einer zeitlich befristeten Rechtsverletzung – oder als das aberwitzige Beharren auf Entfernung, die keinen Sinn macht, weil ja eben das Netz im Gegensatz zum Printprodukt (Zeitung) kein in dem Sinne funktionierendes Verfallsdatum hat. Die Entfernung aus dem Netz macht noch weniger Sinn als die kostenpflichtige Nutzung eines Archives für Printprodukte.

Ich verstehe diese Leute nicht, die nicht verstehen, dass sich die Dinge ändern – und es neuer Konzepte braucht, als immer und immer wieder auf die Anwendung jener Gesetze zu bestehen, die den technischen Entwicklungen nicht mehr gerecht werden können. Mit produktiven Kompromissen oder progressiven Konzepten hat das alles schon gar nichts mehr zu tun.

tags: autorenschaft, copyright, nutzung, urheberrecht

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Ma.Gnolia

Christian Boltanski und die Spurensicherung

Er ist einer der bekanntesten Nachkriegskünstler Frankreichs, Christian Boltanski – geb. 1944 in Paris. Eines der Zentren, um die seine künstlerische Auseinandersetzung kreist, ist Vergangenheit/Kindheit und ihre Bewältigung. In vielen Arbeiten Boltanskis verarbeitet er Artefakte der eigenen Biografie – zum Beispiel kleine, beschriftete Biskuitschachteln und Säckchen mit Haaren und einem Foto der Schwester. Filme entstehen, die so wunderliche Titel haben wie:

Das unmögliche Leben des Christian Boltanski (1968),
Der Mann, der hustet (1968)
Der Mann, der leckt (1969)
Wie können wir ihn ertragen? (1969).
Nachforschung nach all dem und der Präsentation all dessen, was aus meiner Kindheit (1944-1950) übriggeblieben ist (1969)
Rekonstituierung eines Unfalls, der mir noch nicht zugestossen ist, aber in dem ich den Tod gefunden habe (1969).

Bei der Leidenschaft fürs Vergangene könnte einem wahrscheinlich schnell die Sammelleidenschaft plagen. Vor dieser Gefahr scheint auch ein Boltanski nicht gefeit gewesen zu sein. Ein Befreiungsschlag muss das 1973 gewesen sein. Alle Dinge, an denen er hing, hat er an Unbekannte versteigert. Hut ab – muss er sich doch gleichzeitig all jener Dinge entledigt haben, die ihm als Grundlage für seine Kunst dienten. Mir jedenfalls ist das eine ehrfürchtige Verbeugung wert – ich würde diese grosse Geste gern auch in meiner Wohnung durchführen. <G>

Sein späteres Werk nutzt für diese Auseinandersetzungen ausgiebig das Medium Fotografie. Auch hier beweisst der Mann feinen bis abgründigen Humor bei der Wahl der Titel für seine Arbeiten:

Die 62 Mitglieder des Mickey Clubs von 1955
Die Kleider des Français C
Tote zum Lachen – zum Totlachen

Ab 1976 werden die fotografischen Bilder grossformatig – Foto- und Wandkompositionen heissen sie ab dann und füllen tatsächlich Wände. Sie sind Inszenierungen, Dramaturgien mit Licht. Lämpchengirlanden werden als Dekor eingesetzt. Endpunkt dieser Entwicklung von Environments sind seine Schattenspiele – motorgetriebene, rotierende Werke.

1990 kam zur Arbeit Les Suisses morts bzw. die Toten Schweizer.

Viel zu lange habe ich nur mit Fotos toter Juden gearbeitet. Dabei ist doch ein toter Jude Selbstverständlichkeit. Der Tod und der Jude verstehen sich zu gut. Wer dagegen kann sich vorstellen, dass auch Schweizer sterblich sind? Schweizer sind so normal. Es gibt wirklich keinen Grund, warum gerade sie sterben müssen. Tote Schweizer wirken so viel schrecklicher auf uns. Weil sie wie wir sind. (Boltanski)

Tod – nicht das Sterben – ist ein anderer Angelpunkt, der vor allem in seinem Spätwerk grosse Aufmerksamkeit findet. Eben auch im Les Suisses morts. Auf Biskuitschachteln (schon wieder) werden die Porträts verstorbener Schweizer geklebt – ihren zweiten Tod finden sie an der Wand einer Ausstellung bzw. Museums – als vorgestelltes Massengrab – stellvertretend für alle jene, die ohne Schrecken sterben und deren Tod nach Boltanski für uns umso schrecklicher ist. Die Angst vor dem Tod – eine konsequent umgesetzte Spurensicherung* – scheint ein reichhaltiges Motiv für Christian Boltanski.

Les
Installation “Archives des Suisses Morts” ausgestellt im Legacy House, Contemporary Art in Belgrade
Quelle: daylife.com

1991 vollendete Boltansky Reserve of the German Family – auch hier wieder ist das Thema die persönliche und die kollektive Erinnernung. Die überlebensgrossen Kartons stellen sich als hundsgemeine Keksdosen (!) heraus. Das Alltägliche einer solchen Keksdose korreliert deutlich mit dem Aufgeladenen von Erinnern und Vergessen. – Bemerkenswert ist da dabei, das solche Dosen so gern als Aufbewahrungsort für Fundstücke des eigenen Lebens herhalten müssen.

Reserve of the German Family // Reserve der deutschen Familie
Quelle: Virtuelles Museum Moderne (NRW)

Eine neuere Arbeit, die mir sehr gut gefällt ist Time, Zeit von 2001. Auf der einen ist das Foto eines Kindes zu sehen, auf der anderen als Erwachsener.

Zeit, 2001

Eine recht übersichtliche Biografie, die für diese Zusammenfassung Grundlage war, gibt es bei g26.ch
Christian Boltanski bei Wikipedia
Ein Videodokumentation (52 min, englisch) über sein Arbeiten und Wirken (gefunden via Anna Keck)

* Der Begriff der Spurensicherung – Bezeichnung für eine Kunstrichtung, bei der der Künstler durch Sammeln realer oder fiktiver Relikte der Vergangenheit realistische Zusammenhänge oder fiktive Welten nach seiner subjektiven Erfahrung konstruiert. sh. bei wissen.de

tags: europa, fotografie, kunst, sammeln, Spurensicherung

Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Ma.Gnolia

« neuere Beiträge · ältere Beiträge »