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Archive for Film

Experimentalfilm und Malerei

Medienkonvergenz in früh. Walter Ruttmann versuchte in seinen Experimentalfilmen bereits in den 20er Jahren, Malerei und Film zusammenzubringen. In seinem Aufsatz Malerei und Zeit, den er wahrscheinlich in den ersten 10 Jahren des 20. Jahrhunderts verfasste, beschwört er eine neue Kunst, einen neuen Künstler herauf. Als Antwort auf die extrem überhöhte Geschwindigkeit, mit der die Menschen in den 20er Jahren leben lernen mussten - “Telegrafen, Schnellzüge, Stenografie, Fotografie et cetera. ” sieht Ruttmann eine neue Kunstform, die sich mit diesem neuen Lebensgefühl auseinandersetzt - “… eine ganz neue Kunst, Malerei mit Zeit.

“Eine Kunst für das Auge, die sich von der Malerei dadurch unterscheidet, daß sie sich zeitlich abspielt (wie Musik), und daß der Schwerpunkt des Künstlerischen nicht (wie im Bild) in der Reduktion eines (realen oder formalen) Vorgangs auf einen Moment liegt, sondern gerade in der zeitlichen Entwicklung des Formalen. Da diese Kunst sich zeitlich abwickelt, ist eines ihrer wichtigsten Elemente der Zeit-Rhythmus des optischen Geschehens. Es wird sich deshalb ein ganz neuer, bisher nur latent vorhandener Typus von Künstler herausstellen, der etwa in der Mitte von Malerei und Musik steht.”

Für einen Moment schien Ruttmann Recht zu haben, wenn er im Verlauf seines Aufsatzes die Malerei zu Grabe tragen will. Er hat sich getäuscht - zum Glück. Denn sowohl in den 50er Jahren als auch heute wieder erfreut sich die Malerei eines fast hyperartigem Comebacks. Geschwindigkeiten und neue Medien scheinen ihr nur im ersten Reflex etwas anzuhaben.

Zu seinen bekanntesten Werken zählt sicherlich “Berlin - Sinfonie einer Grosstadt” - in der er von einer abstrakten Szene ausgehend - in die konkrete Dokumentation der Berlin der 20er Jahre wechselt. Ein Film, der von der Rhythmik der Stadt lebt und gerade versucht, eben sinfonische Strukturen filmisch umzusetzen. Den Film kann man sich fast komplett via Youtube ansehen - in einzelne Häppchen aufgeTeilt (Für sowas ist Youtube wirklich richtig gross.)


Walter Ruttmann, Malerei mit Zeit (in: Birgit Hein/Wulf Herzogenrath (Hg.): Film als Film, 1910 bis heute)
Ruttmann-Biografie im Medien-Kunst-Netz und bei Wikipedia.

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Tracey Moffat in Bunt

Tracey Moffat - SelbstproträtFotografin und Filmemacherin. Einige biografische Eckdaten umreissen die inhaltlichen Arbeitsfelder, auf denen Tracey Moffat agiert. 1960 in Brisbane/Australien geboren, als Halbaborigine wird sie ihren Eltern zur erzieherischen Zwecken entrissen, ein Kind des Farbfernsehen. - In ihre Arbeiten fallen Erfahrungen mythischer Erzählungen und die ästhetische Welt amerikanischen Trash-Fernsehen zusammen. Das zeigt sich nicht allein an einer oppulenten, farbenprächtigen - fast grellen - Bildsprache. Ihre Inhalte bewegen sich zwischen den klassischen Polen von Sexualität und Macht, Geburt und Tod, Träumen und Sehnsüchten in einer von Konsum geprägten Welt. - Sie bearbeitet scheinbar spielerisch die Zwischenräume zwischen Realem und Surrealem, zwischen Traum und Wirklichkeit.
Populär wurden ihre Arbeiten ausserhalb Australiens durch den Film Night Cries, A Rural Tragedy, 1989 - der auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannesvon ihr gezeigt wurde.

Tracey Moffatt - Stills from Night Cries: A Rural Tragedy, 1989 - a 17-minute 35 mm

Sie gilt zu Recht als eine der Repräsentatinnen der Australischen Avantgarde und ich sehe deutliche - inhaltliche - Anknüpfungen zwischen ihren Arbeiten und jenen von Candice Breitz, deren Auseinandersetzung mit gestalterischen Stereotypen abendländischer Schauspielkunst mir sehr gefallen.

Mir persönlich gefällt die Idee, die hinter dem Projekt Fourth (2001) steht - und deren Umsetzung. Die Tragik derjenigen, die knapp am Thron der Sieger vorbeischrammen. Die Vierten. Ihnen hat Moffat eine fotografische Serie gewidmet - Anlass waren die Olympischen Spiele in Sydney. Mehr Fotos der Serie / Hintergrundtext zum Projekt.

Tracey Moffatt - Fourth #18, 2001

Übersicht über ihre Arbeiten / Tracey Moffat bei Wikipedia (engl.) /

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