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Archive for ausstellungen

Von der Kunst, eine Liste zu betreiben (Teil 2)

Neben den im ersten Teil genannten Arbeiten haben mir noch vier weitere Künstler ausreichend Interesse entlocken können an ihren Arbeiten und ihren Hintergründen. Matthew Darbyshire, Daniel Pitin und Stefan Burger.

Als eine, die sich selbst mit der Welt der Waren und Marken auseinandersetzt, hat mich wie selbstverständlich die Kunst von Matthew Darbyshire interessiert. Ich finde seinen kritischen Ansatz mit den Mechanismen der Warenwelt der Auseinandersetzung würdig - auch wenn ich zugeben muss, dass mir seine Glas-Arbeiten nicht so sehr zusagen.

Matthew Darbyshire - Untitled (Shelves No. 1-3), 2008

Der Brite sucht nacht den Schnittstellen zwischen Design und Kunst. Er verknüpft Kopien von Design-Klassikern mit Elementen aus der Mode, mit Fakes und Kultlabels. Er stellt zum Beispiel in so ein Ikearegal exklusive Kristallobjekte neben billigen Plastikglästern aus einem Warenhaus. Das ist spannend - und leider muss man sich in dem Fall fragen war der gesamte Stand an der Liste schon ausverkauft. Irgendwie paradox das.

Der Prager Daniel Pitin war auf der Liste 08 mit Zeichnungen bzw. gezeichneten Videostills vertreten. Zum Beispiel Behind the House aus diesem Jahr. Wenn jemand zwischen Malerei und Film hin- und herspringt, hat er meine fast geteilte Aufmerksamkeit. Pitins Markenzeichen sind verfremdete Szenen aus Filmen, die als gemalte Bilder eine interessante Verfremdung erfahren. Vor allem Hollywood-Klassiker - also Mainstreamwerke des Films - werden von ihm aufgegriffen, wichtiger Details beraubt und dadurch für neue Kontexte eröffnet. Gleichzeitig kann er wie in einem Nebeneffekt klassische Erwartungen an die Malerei hervorbringen, die natürlich gebrochen werden. Eine Auswahl seiner Auswahl zeigt seine Heimatgallerie Hunt Kastner.

Daniel Pitin - Behind the House, 2008

Humor ist für mich extrem wichtig. Nicht nur in den eigenen alltäglichen Lebenslagen, sondern auch in der Kunst. Wenn Humor sich dann auch noch auf die Kunst und ihre Prinzipien konzentriert, kann man bei mir fast nichts mehr falsch machen. Deshalb ist mir der Stefan Burger sehr symphatisch. Nicht nur wegen seines feinen Videos Abstraktion und Blattmimese, dass gerechtfertigterweise an den diesjährigen Swiss Art Awards zu sehen war. Auf der Liste (bzw. dem Special Guest Kunsthaus Baselland) war er mit einigen Fotografien vertreten, die mir einfach gefallen haben.

Alles in allem bin ich eher enttäuscht aus der alten Brauerei wieder nach Hause gefahren. Viele Sachen sind einfach zu vorhersehbar weil zurechtgeschnitten auf einen Kunstmarkt, dem es eher um kurzfristige Aufgeregtheiten geht als um Prozesse und Produktionen, die (meinetwegen auch) lärmend nach Auseinandersetzung verlangen. - Kaum Neues - nur findet dieses Langweilige mehrheitlich jetzt auch auf der Liste statt.

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Von der Kunst, eine Liste zu betreiben (Teil 1)

Muss mit den Jahren schwieriger werden, auf Gegen- bzw. Alternativveranstaltungen das Niveau der Anfangsjahre zu halten. Immer schwieriger. Nach meinem Besuch in Basel muss ich feststellen: Je einfacher die Kunst sich den Gesetzen des Wohlgefallens verschreibt - im Sinne des Lass-uns-das-Zeug-mal-als-Anlage-betrachten - scheint es proportional unmöglicher, ihr etwas anderes als Wohlgefallen abzugewinnen. Auf die Art gehe ich ja schon nicht mehr. Die Erwartungen wurden immer weniger erfüllt. Umso mehr hatte ich mich immer auf das Neulang gefreut, dass es auf der Liste zu entdecken galt. Vorbei - resümiere ich - ohne Bedauern. Denn es ist kurzweilig, da hindurchzulaufen. Nicht mehr und nicht weniger. Wobei ich mich allerdings frage, wann denn der BigBäng passiert. Wo sich all die Kunst-produzierenden Menschen einmal heftig wie ein Hund nach einem Bad schütteln, und all dieses kryptische Sich-auf-den-Markt-hinorientieren von ihnen abfällt. Da würde ich dann gern mitmachen. Ich freue mich auf die Gegenbewegung, die in Wellen (sprich regelmässig) kommt und die rebelliert und sich einen wirklichen Dreck um Verkäuflichkeit schert und sich dafür mit Dingen auseinandersetzt, die für die meisten schon abgeschrieben sind. - Halt: das ist kein Lamentieren, sondern ganz banales Wunschdenken. - Darf man zwischendrin und zwischendurch mal haben.
Einige wenige Künstler und Künstlerinnen habe ich trotzdem ausgemacht, denen ich von Zeit zu Zeit nachgehen werde.

Jimmy Baker. Ich muss jedoch zugeben, es ist in erster Linie diese Oberfläche, die mein Interesse hervorgerufen hat. Ein spiegelglatter Überzug - mit einem wirklich beeindruckenden Effekt der Makellosigkeit. Ich musste mir die Bilder immer wieder von so nah ansehen, dass es fast schon unangenehm war. Jedenfalls muss ich unbedingt wissen, was es mit diesem “Resin” auf sich hat.

Jimmy Baker - A stillness, Oil and resin on canvas, 2008

Adrian Ghenie - ein Maler aus Rumänien. Sehr düster und nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch erinnert er mich ordentlich an die sozialistischen Realisten. Sein Flight to Egypt habe ich im Netz leider nicht gefunden.

Cyprien Gaillard - Zumindest auf der ästhetischen Ebene funktionieren diese Arbeiten vom Franzosen. Kleine Schwarzweiss-Fotografien, die in Umschlägen stecken, die teileweise zerrissen sind. Das erlaubt einen freigelegten Blick auf die postkartengrossen Ansichten, der erst durch diese geordnete Zerstörung möglich wird. Könnte man im erstem Moment platt und wenig aufregend finden. Aber als Serie funktioniert das wie schon gesagt wenigstens auf der Ebene der Anmutung.

Cyprien Gaillard - New Pictoresque

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Bachelor-Ausstellung in Zürich auf Disco und Techno

Heute gehe ich hier mal in eigener Sache zu Werke. Ab 18h werden ZHdK-weit die Bachelor-Ausstellungen eröffnet. Eine Woche nach den Diplomanden kommen also die dreijährigen zum Zuge. Natürlich kann man nicht auf allen Hochzeiten tanzen - und deshalb bewerbe ich hier mal ausdrücklich unsere DMK-Ausstellung. Die Bildenden Künste, Fotografen und Neuen Medien (jetzt Medialen Künste) haben sich zusammengeschlossen und stellen am Sihlquai 125 aus - im ganzen Haus.

Die eigene Abschlussarbeit ist auch dabei. Für die Wiedererkennung stelle ich mal einen Schnappschuss vom Projekt hierher, falls Zürcher hier mitlesen und abends doch vorbeikommen wollen. (noch ein Link von meinem Heimatinstitut, falls es Schwierigkeiten mit dem Adressefinden gibt.)

Videostill

Das Projekt ist in der Hauptsache ein 17-minütiges Video. Die Installation wird durch ein Reissbrett vervollständig auf dem 32 kleine Tafeln mit Posen aus Business, Sport, Mode und Politik aufgehängt sind. - Das Thema kommt aus einem praxisorientierten Seminar, in dem es in den letzten vier Monaten um genau das ging: Körper, Bilder und Posen.
Ich bin natürlich ziemlich auf die Reaktionen gespannt. - Und ich freue mich auf eine Abschlussparty, die nicht nur die vier Studienbereiche gemeinsam bestreiten (ich habe die Theorie noch nicht genannt) - was ja selten genug vorkommt. Mit einigen der Ausstellenden werde ich dann ab September die Ateliers unseren ersten Master-Studienganges in Fine Arts teilen.

Zur Feier des Tages gibts noch Musik von meiner derzeitigen Discolieblingscombo. Auf betterPropaganda steht mal wieder ein Track zum Herunterladen bereit, den ich mir hierüberhole. Und weil es als Gegenstück so schön trocken ist - lege ich dem Supermayer sein Two of Us nach (wo dem seine Einheit ja ein Zweiheit ist.) Super!

Hercules and Love Affair - Hercule’s Theme (Hercules and Love Affair, 2008) // artists // label :: DFA
Supermayer - Two of Us (Save the world, 2007) // artist // label :: Kompakt // betterPropaganda

  hercules-supermayer.jpg

Flyer zur BA-Ausstellung - den ich persönlich so dämlich finde wir nur was. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Immer eine Reise wert - Fumetto

Samstag stand gross Luzern auf der Agenda - genauer gesagt Fumetto, der Schweiz grösstes Comic-Festival. Auf die Gefahr hin, dann doch zu müde zu sein, hatte ich es auf die Zeit nach der Bewerbungsprozedur gelegt. Boris Hoppek - Keine KonventionenAber hat ja geklappt. Ist eigentlich immer ein inspirierender Anlass - so auch dieses Jahr: und einziger, gleichfalls alljährlicher Wehrmutstropfen - das Budget ist danach immer überzogen (obwohl kontinuierlich aufgestockt) - mindestens ein neues Comicbuch ist immer nicht eingeplant.

Zum Beispiel hatte ich Boris Hoppek immer eher als Produzent von Jö-Puppen in Erinnerung. Die Bimbo-Sachen waren bisher nicht real zu mir vorgedrungen. Bis jetzt eben. Eine schöne Anspielung gab’s für die Schweiz. Ein überlebensgrosses Schaf aus dem es hintenrum stark nach echtem Schafsmist roch. Wenn man des Artists Vorliebe für Themen wie Rassismus kennt, wird man da nicht viel falsch verstehen können.

Einen der Highlights - wie das Werk von Christroph Blaint - habe ich mir geschenkt. Erstens nicht so vollständig meine Tasse Tee und zweitens war es mir zu voll. Der Künstler signierte, die Fans umringten ihn. Dafür war es schon toll, Igort im Original zu sehen. Wie bei jedem Fumetto könnte ich mit der Nase immer auf den Glasplatten kleben, unter denen Entwürfe zu sehen sind. Es fasziniert immer wieder neu, wieviele Stationen es braucht, bis so ein Comic dann seine endgültige Form angenommen hat.
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Sabine Wild mit Aufrissen

Eine Ausstellung, die mir um zwei Tage durch die Lappen geht. Schade eigentlich. In Berlin gibt es Fotografien von Sabine Wild zu sehen, die mir via Monitor reichlich interessant erscheinen. Aufriss heisst die Ausstellung und zeigt Ansichten von New York, deren verfremdete Schärfen und Linienbetonungen dem Wesen der Stadt zu entsprechen scheinen. Würde ich gern im Original sehen - aber früher nach Berlin geht leider nicht. In der Galerie en passant kann man ihre Bilder ansehen - noch bis zum 26. April.

Sabine Wild - aus New York V
Sabine Wild - New York V - 1//

Sabine Wild - aus New York III
Sabine Wild - New York III - //

Homepage der Künstlerin
via Avantgarde.

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Ilja Kabakow im Waggon, auf der Brücke oder auf dem Schiff

red-sketch-03.jpg

Mitwochs Zeichnen bei Peter Radelfinger. Dankenswerterweise beschränken sich seine Unterweisungen nie auf die eigentliche Aufgabe. Heute gab es den Hinweis zum Konzeptkünstler Ilja Kabakow (*1933) dazu. Kurz gegoogelt, Website aufgeschlagen und mir tat sich ein Universum auf. Ohne es zu merken, ging eine Stunde ins Land und ich hatte gerade mal oberflächlich die Fundstücke überflogen. Selten schien mir der Versuch, jemandes Werke zu betrachten so ungenügend. Was für ein sinnenloses Erlebnis, diese Dinge auf einer zweidimensionalen Monitorfläche zu betrachten. Wie müssen diese Konzepte und Installationen erst im real life wirken?
Seit seiner Emigration aus der UdSSR 1989 lebt er in New York. Die Schweiz darf für sich in Anspruch nehmen, seine erste Ausstellung im Westen gezeigt zu haben. In Bern. 1987 in der Kunsthalle.

Das faszinierende an seinen Arbeiten sind sowohl der Schaffensprozess selbst, der ausführlich dokumentiert wird von ihm, als auch die spektakulären Arbeiten. Man kann nicht wirklich sagen, dass sie monumental sind oder gigantisch. Stattdessen sie sind extrem umfangreich, imposant, raumgreifend. In seiner Kunst reflektiert er seine russische Herkunft, die Mentalität seiner Landsleute. Dabei ist ihm eine grosse Anteilnahme an den Menschen seiner ehemaligen Heimat eigen, die man selten in der Kunst findet. Meist arbeiten sich gegenwärtige Künstler ja eher an den Eigenheiten ihrer Mitmenschen ab. Seine aufwendigen Installtationen entstehen in Partnerschaft mit seiner Ehefrau Emilia Kabakow.

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