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Archive for amerika

Kunstkritiker – warum es sie geben sollte

Man ist ja nicht immer ihrer Meinung – manchmal finde ich ihre Beiträge schwer nachvollziehbar. Aber gut gibt es sie. Fand auch W. H. Auden*, der das in The Dryer’s Hand (1963) schön zusammenfasste:

Was ist die Funktion eines Kritikers?

  • Introduce me to authors or works of which I was hitherto unaware.
  • Convince me that I have undervalued an author or a work because I had not read them carefully enough.
  • Show me relations between works of different ages and cultures which I could never have seen for myself because I do not know enough and never shall.
  • Give a “reading” of a work which increases my understanding of it.
  • Throw light upon the process of artistic “Making.”
  • Throw light upon the relation of art to life, to science, economics, ethics, religion, etc.

*Auden ist bei uns wohl weniger wegen seiner literarischen Werke bekannt – viel eher als jener Mann, der Erika Mann heiratete, um ihr zu einem englischen Reisepass zu verhelfen. Auden verfasste über 400 Gedichte und 400 Essays, ferner Theaterstücke und Opernlibretti.
via That’s Negative

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Victor J Blue und Reiseerinnungen

Mein eigener Aufenthalt vor vier Jahren in Mittelamerika hat mein Bild von diesem Teil der Erde deutlich geprägt. Vorher setzte sich dieses Bild allein aus Medien vermittelten Eindrücke zusammen, die über das Mass an ungeährem Vorstellen ja nicht hinausgehen. Es war meine erste Reise in eine Region, in der Armut normal – und die dazugehörige Gewalt unerträglich gegenwärtig ist – auch wenn sie vor den eigenen Augen natürlich nicht stattfindet. Und ich war geschockt von dem Leben, dass Indigenas in Guatemala führen müssen, verstört von den noch immer im Wachstum befindlichen Bananen-Monokulturen in Honduras und angewidert von den täglich zelebrierten Gewaltdarstellungen in den Tageszeitungen (Nicaragua ausgenommen).
Die Fotografien von Victor J Blue wecken all diese Eindrücke wieder und erinnern an jene seltsame Zerrissenheit, wenn man sich als Touristin in solchen Regionen aufhält. – Dieses Wissen- und Hinsehenwollen – das man ohne Schuldgefühle nicht haben kann. Oder man setzt diesen ethnologischen Blick auf – der Empathie als störendes Element in der Wahrnehmung zurückzuweisen versucht. Geht alles nicht und ich musste mir eingestehen – dass genau dieses Irritiertsein zu dieser Art von Reiseerfahrung gehört.

Crosses mark the graves of uknown immigrants that died in the desert, CA.
Old indigenous woman at the US border fence, Mexicali.

Victor J Blue // via verve photo

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Animal Collective auf dem Weg zum Pop

Heimliche Helden wie diese mental überstürzten Jungs mit den Tiermasken machen selbst dann kaum was falsch, wenn ihre Musik sich mal stärker als sonst an den Pop anlehnt. Ein bisschen. Nachdem ihr letztes Album Strawberry Jam bei mir mit schwerer Rotation lief, wird das ganz offensichtlich mit dem Nachfolger nicht anders sein. Schön ist das, wenn Dinge so bleiben wie sie sind, ohne das hier von Stillstand die Rede ist.

Animal Collective – Water Curses (Water Curses, 2008) // via betterPropaganda // label :: Domino Records

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Wiederauflage von Robert Franks Sicht auf Amerika

bzw. Neuauflage von Robert Franks “The Americans”. Und weil mir das tatsächlich noch in meinem Regal fehlt, gehöre ich zu den Freuern.

Und dann war ich mir eigentlich so sicher, dass es hier schon vor Monaten ein Posting zu Robert Frank gegeben hätte. Aber der Blog sagt Nein. Tja so kann man sich täuschen. Auf jeden Fall werde ich zusehen, diesemal rechtzeitig ein Exemplar zu ergattern, bevor auch diese Serie wieder ausverkauft und dann vergriffen ist. (Das Vorwort von Jack Kerouac werde ich mit Interesse aufnehmen – auch wenn ich gestehen muss, dass seine Literatur mich nicht umgehauen hat – aber das wird ein Problem der Zeitverschiebung sein.)

Robert Frank U.S. 285, New Mexico 1956
Robert Frank U.S. 285, New Mexico 1956
gelatin silver print, 13-1/2 x 9-3/4 inches
Courtesy the Metropolitan Museum of Art

Der gebürtige Schweizer (der allerdings einen grossen Teil seines Lebens in America bestreitet) gehört zu den meistzitierten Fotografen des letzten Jahrhunderts. Und eben diese Serie in Bild gebannter amerikanischer Kultur dürfte zu den eher influssreichen Fotoarbeiten gehören. Als Anhängerin des puristischen Schwarz-Weiss und vor allem als Verfechterin einer (nicht näher definierbaren aber vorhandenen) Distanz zwischen den Objekten um dem Fotografen gehört Robert Frank logischerweise zu meinen Favoriten. (Ähnlich der Farbfotografien von Stephen Shore.)

ausführlich schreibt darüber Steidl, der diese guten News zu verantworten hat. Gefunden via Sonic Blog.

Eine kleinen Einblick gibt es auf dem Yale-Server: Route 66, Cruising the American Dream.

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Xiu Xiu in Berlin sehen

Freude herrscht. Erstens steht ein Berlin-Besuch an. Die alte Heimat und die Sache mit dem Koffer…
Und zweitens, aber das klappt ja nicht immer – wartet ein kulturelles Highlight 2008 auf mich. Habe gerade die Karten fürs Xiu Xiu Konzert am 2. Mai geordert. Will ich doch schon so lange sehen und hören. Den Herrn Jamie Stewart und den ganzen unbeständigen Rest der Bande. Jetzt steht in den Last.fm-Konzertbeiträgen schon, dass da sehnsüchtigst der Support-Act Chris Garneau erwartet wird. Bin ich mal gespannt. SingerSongwriter sind ja sonst nicht so mein Ding.

Last.fm stellt download-freundlich ein beherztes und recht typisches Stück vom Herrn Stewart zur freien Verfügung. Das Angebot lasse ich natürlich nicht ungenutzt verstreichen und leite die Musike mal hierhin weiter.

Xiu Xiu – I Broke Up (Fag Patrol, 2005) // homepage (sowieso sehenslesenswert!)

via Universität Minnesota

via The Whole (archive)

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Lichtrequisit von Moholy-Nagy

Gemäss meiner Auseinandersetzung mit Licht als Medium (siehe die bedeutsamen Aussagen von McLuhan) liegt es nahe, mal in den Annalen der Kunst zu stöbern, um Künstler bzw. Kunstwerke um und mit Licht herauszufiltern. Ein erstes Überschlagen hat mir gezeigt: da ist endlos schon produziert worden. – Erstaunlich.

Selbstporträt Moholy-NagyEin sehr früher und prominenter Vertreter ist der Ungar Moholy-Nagy, der vom Bauhaus des Martin Gropius inspiriert war(und sowohl in Weimar als auch in Dessau wirkte). 1937 gründete er das New Bauhaus in Chicago. Nach dessen Schliessung 1938 baute er seine eigene Kunstausbildungsstätte auf – das heute einflussreiche Institute of Design (ID)

Bereits 1922 prophezeite Moholy-Nagy in einem Manifest, dass das Licht (elektrisches Licht) eine völlig neuartige Kunst hervorbringen werde. Sein bekanntestes Werk steht in der Sammlung des Busch-Reisinger Museum der Havard University. Der Licht-Raum-Modulator ist ein Komplex von Lichtröhren und Glühlampen, der sich langsam drehte, vor sich hin summte und klickte. Drumherum waren farbige – via Zeitgeber ausgelöste Lichter angeordnet.

Die Lichtsäule dreht sich langsam, während 70 Glühbirnen zu je 15 Watt ein einem Zweieinhalb-Minuten-Zyklus die Skulptur an- oder durch sie hindurchblitzen. 1970 wurde die Arbeit von dem MIT-Ingenier Woodie Flowers in Zusammenarbeit mit dem Kritiker Nan Piene und Sibyl Moholy-Nagy, der Witwe des Künstlers rekonstruiert. (aus Douglas Davis, Vom Experiment zur Idee, DuMont 1975, S. 31)

Lázló Moholy-Nagy, Lichtrequisit einer elektrischen Bühne, 1930. Siehe Moholy-Nagy mit dem Lichtmodulator im Medienkunstnetz;
Biografie bei Wikipedia

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