My Brightest Diamonds (Fotografie von ihrer Homepage)

Irgendwie erinnert der Mittelteil an kriminalistische Filmmusik aus den 70ern. Mir fällt nur gerade nicht der Name der Serie ein. Egal. Shara Worden alias My Brightest Diamond strahlt aus dem ein wenig angestrengt gitarrig klingenden neuen Album. Dabei hätten es im Beispielstück Inside A Boy die Streicher vollends getan. Grundsätzlich ist das neue Album sehr schön geworden. Fast schon zu schön. Deshalb übe ich mich in Zurückhaltung und höre die Songs weniger häufig als andere neue Platten. (via betterPropaganda) My Brightest Diamond – Inside A Boy (A Thousand Shark’s Teeth, 2008) // artist’ website // label :: Asthmatic Kitty Records

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Die wunderbare Idee von Chen Jiagang, Fotos in ein pdf-Dokument zu packen, ermöglicht einen unverstellten Blick auf die Folgen der Industrialisierung. Diese verheerenden Wirkungen auf unsere Umwelt kennen wir auch schon von unseren eigenen Landschaften. Und drastischer aus der russischen Förderation. Nun auch China. Die Fotografien vermitteln nicht einfach nur Brachlandschaften und Förderkollosse. Einen seltsamen Bruch liefern die in den Bildern wie zufällig auftauchenden Frauen. Eine beeindruckende Sammlung von Fotografien, die die Bruchstellen eines hemmungslos aufstrebenden Industriegiganten zeigen.

Chen Jiagang - Third Front, Mist Mine (2006) Chen Jiagang - Third Front, Mine pool (2004)

Forbidden City als Buch-pdf (8.25 MB) <via Conscientious)

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Neben den im ersten Teil genannten Arbeiten haben mir noch vier weitere Künstler ausreichend Interesse entlocken können an ihren Arbeiten und ihren Hintergründen. Matthew Darbyshire, Daniel Pitin und Stefan Burger.

Als eine, die sich selbst mit der Welt der Waren und Marken auseinandersetzt, hat mich wie selbstverständlich die Kunst von Matthew Darbyshire interessiert. Ich finde seinen kritischen Ansatz mit den Mechanismen der Warenwelt der Auseinandersetzung würdig – auch wenn ich zugeben muss, dass mir seine Glas-Arbeiten nicht so sehr zusagen.

Matthew Darbyshire - Untitled (Shelves No. 1-3), 2008

Der Brite sucht nacht den Schnittstellen zwischen Design und Kunst. Er verknüpft Kopien von Design-Klassikern mit Elementen aus der Mode, mit Fakes und Kultlabels. Er stellt zum Beispiel in so ein Ikearegal exklusive Kristallobjekte neben billigen Plastikglästern aus einem Warenhaus. Das ist spannend – und leider muss man sich in dem Fall fragen war der gesamte Stand an der Liste schon ausverkauft. Irgendwie paradox das.

Der Prager Daniel Pitin war auf der Liste 08 mit Zeichnungen bzw. gezeichneten Videostills vertreten. Zum Beispiel Behind the House aus diesem Jahr. Wenn jemand zwischen Malerei und Film hin- und herspringt, hat er meine fast geteilte Aufmerksamkeit. Pitins Markenzeichen sind verfremdete Szenen aus Filmen, die als gemalte Bilder eine interessante Verfremdung erfahren. Vor allem Hollywood-Klassiker – also Mainstreamwerke des Films – werden von ihm aufgegriffen, wichtiger Details beraubt und dadurch für neue Kontexte eröffnet. Gleichzeitig kann er wie in einem Nebeneffekt klassische Erwartungen an die Malerei hervorbringen, die natürlich gebrochen werden. Eine Auswahl seiner Auswahl zeigt seine Heimatgallerie Hunt Kastner.

Daniel Pitin - Behind the House, 2008

Humor ist für mich extrem wichtig. Nicht nur in den eigenen alltäglichen Lebenslagen, sondern auch in der Kunst. Wenn Humor sich dann auch noch auf die Kunst und ihre Prinzipien konzentriert, kann man bei mir fast nichts mehr falsch machen. Deshalb ist mir der Stefan Burger sehr symphatisch. Nicht nur wegen seines feinen Videos Abstraktion und Blattmimese, dass gerechtfertigterweise an den diesjährigen Swiss Art Awards zu sehen war. Auf der Liste (bzw. dem Special Guest Kunsthaus Baselland) war er mit einigen Fotografien vertreten, die mir einfach gefallen haben.

Alles in allem bin ich eher enttäuscht aus der alten Brauerei wieder nach Hause gefahren. Viele Sachen sind einfach zu vorhersehbar weil zurechtgeschnitten auf einen Kunstmarkt, dem es eher um kurzfristige Aufgeregtheiten geht als um Prozesse und Produktionen, die (meinetwegen auch) lärmend nach Auseinandersetzung verlangen. – Kaum Neues – nur findet dieses Langweilige mehrheitlich jetzt auch auf der Liste statt.

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Muss mit den Jahren schwieriger werden, auf Gegen- bzw. Alternativveranstaltungen das Niveau der Anfangsjahre zu halten. Immer schwieriger. Nach meinem Besuch in Basel muss ich feststellen: Je einfacher die Kunst sich den Gesetzen des Wohlgefallens verschreibt – im Sinne des Lass-uns-das-Zeug-mal-als-Anlage-betrachten – scheint es proportional unmöglicher, ihr etwas anderes als Wohlgefallen abzugewinnen. Auf die Art gehe ich ja schon nicht mehr. Die Erwartungen wurden immer weniger erfüllt. Umso mehr hatte ich mich immer auf das Neulang gefreut, dass es auf der Liste zu entdecken galt. Vorbei – resümiere ich – ohne Bedauern. Denn es ist kurzweilig, da hindurchzulaufen. Nicht mehr und nicht weniger. Wobei ich mich allerdings frage, wann denn der BigBäng passiert. Wo sich all die Kunst-produzierenden Menschen einmal heftig wie ein Hund nach einem Bad schütteln, und all dieses kryptische Sich-auf-den-Markt-hinorientieren von ihnen abfällt. Da würde ich dann gern mitmachen. Ich freue mich auf die Gegenbewegung, die in Wellen (sprich regelmässig) kommt und die rebelliert und sich einen wirklichen Dreck um Verkäuflichkeit schert und sich dafür mit Dingen auseinandersetzt, die für die meisten schon abgeschrieben sind. – Halt: das ist kein Lamentieren, sondern ganz banales Wunschdenken. – Darf man zwischendrin und zwischendurch mal haben. Einige wenige Künstler und Künstlerinnen habe ich trotzdem ausgemacht, denen ich von Zeit zu Zeit nachgehen werde.

Jimmy Baker. Ich muss jedoch zugeben, es ist in erster Linie diese Oberfläche, die mein Interesse hervorgerufen hat. Ein spiegelglatter Überzug – mit einem wirklich beeindruckenden Effekt der Makellosigkeit. Ich musste mir die Bilder immer wieder von so nah ansehen, dass es fast schon unangenehm war. Jedenfalls muss ich unbedingt wissen, was es mit diesem “Resin” auf sich hat.

Jimmy Baker - A stillness, Oil and resin on canvas, 2008

Adrian Ghenie – ein Maler aus Rumänien. Sehr düster und nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch erinnert er mich ordentlich an die sozialistischen Realisten. Sein Flight to Egypt habe ich im Netz leider nicht gefunden.

Cyprien Gaillard – Zumindest auf der ästhetischen Ebene funktionieren diese Arbeiten vom Franzosen. Kleine Schwarzweiss-Fotografien, die in Umschlägen stecken, die teileweise zerrissen sind. Das erlaubt einen freigelegten Blick auf die postkartengrossen Ansichten, der erst durch diese geordnete Zerstörung möglich wird. Könnte man im erstem Moment platt und wenig aufregend finden. Aber als Serie funktioniert das wie schon gesagt wenigstens auf der Ebene der Anmutung.

Cyprien Gaillard - New Pictoresque

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Cover Fleet FoxesBei diesem Track von Fleet Foxes schlägt der Power-Pop voll durch. Huh-Huhs in Strophenlänge, wie sie nur die Beach Boys hinbekamen und eine Stimme, die überdeutlich an My Morning Jacket erinnert. Harmonie trifft auf Chorknaben, die sich an den Stränden Kaliforniens aufgestellt haben, um der next Generation Surfer eine Hymne zu widmen. Das ganze läufte ausser Refrain-Konkurrenz und somnambult einem unaufgeregten Ende entgegen. Was für ein nettes Sommerlied – frage ich mich zum Thema Titelvergabe.

Fleet Foxes – White Winter Hymnal (Fleet Foxes, 2008) // bei betterPropaganda // myspace // label :: Sup Pop Records

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