Victor J Blue und Reiseerinnungen

By in amerika, fotografie, lateinamerika on 25. Juni 2008

Mein eigener Aufenthalt vor vier Jahren in Mittelamerika hat mein Bild von diesem Teil der Erde deutlich geprägt. Vorher setzte sich dieses Bild allein aus Medien vermittelten Eindrücke zusammen, die über das Mass an ungeährem Vorstellen ja nicht hinausgehen. Es war meine erste Reise in eine Region, in der Armut normal – und die dazugehörige Gewalt unerträglich gegenwärtig ist – auch wenn sie vor den eigenen Augen natürlich nicht stattfindet. Und ich war geschockt von dem Leben, dass Indigenas in führen müssen, verstört von den noch immer im Wachstum befindlichen Bananen-Monokulturen in Honduras und angewidert von den täglich zelebrierten Gewaltdarstellungen in den Tageszeitungen (Nicaragua ausgenommen).
Die Fotografien von Victor J Blue wecken all diese Eindrücke wieder und erinnern an jene seltsame Zerrissenheit, wenn man sich als Touristin in solchen Regionen aufhält. – Dieses Wissen- und Hinsehenwollen – das man ohne Schuldgefühle nicht haben kann. Oder man setzt diesen ethnologischen Blick auf – der Empathie als störendes Element in der Wahrnehmung zurückzuweisen versucht. Geht alles nicht und ich musste mir eingestehen – dass genau dieses Irritiertsein zu dieser Art von Reiseerfahrung gehört.

Crosses mark the graves of uknown immigrants that died in the desert, CA.
Old indigenous woman at the US border fence, Mexicali.

Victor J Blue // via verve photo

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