Mein eigener Aufenthalt vor vier Jahren in Mittelamerika hat mein Bild von diesem Teil der Erde deutlich geprägt. Vorher setzte sich dieses Bild allein aus Medien vermittelten Eindrücke zusammen, die über das Mass an ungeährem Vorstellen ja nicht hinausgehen. Es war meine erste Reise in eine Region, in der Armut normal – und die dazugehörige Gewalt unerträglich gegenwärtig ist – auch wenn sie vor den eigenen Augen natürlich nicht stattfindet. Und ich war geschockt von dem Leben, dass Indigenas in Guatemala führen müssen, verstört von den noch immer im Wachstum befindlichen Bananen-Monokulturen in Honduras und angewidert von den täglich zelebrierten Gewaltdarstellungen in den Tageszeitungen (Nicaragua ausgenommen). Die Fotografien von Victor J Blue wecken all diese Eindrücke wieder und erinnern an jene seltsame Zerrissenheit, wenn man sich als Touristin in solchen Regionen aufhält. – Dieses Wissen- und Hinsehenwollen – das man ohne Schuldgefühle nicht haben kann. Oder man setzt diesen ethnologischen Blick auf – der Empathie als störendes Element in der Wahrnehmung zurückzuweisen versucht. Geht alles nicht und ich musste mir eingestehen – dass genau dieses Irritiertsein zu dieser Art von Reiseerfahrung gehört.

Crosses mark the graves of uknown immigrants that died in the desert, CA. Old indigenous woman at the US border fence, Mexicali.

Victor J Blue // via verve photo

tags: , , , , ,

Da fand ich heute eine nette Überraschung fürs Auge. Die Graffiti von Paul The Wine Guy werfen die Ions unserer 1-0-Maschinen ins richtige Leben (na ja – fast!). Unter IT everywhere hat Paul the Win Guy seine Ideen für Wandmalereien zusammengetragen. Ich hätte gern so eines in meiner Strasse. Dann gäbe es immer was zum Schmunzeln, wenn ich das Haus verlasse oder nach verrichtetem Tagwerk nach Hause schlurfe. Schön wär das. Zum Beispiel eines von diesen dreien hier:

IT graffiti von Paul the Win Guy IT graffiti von Paul the Win Guy IT graffiti von Paul the Win Guy <via rebel:art>

Schöne Idee. Schön ist auch dieses Liedgut, dass ich dem Beitrag heute folgen lasse. Einmal aus einem Top 5 Alben 2007. Seit Begriffe wie Rumpelfussball in dieser sportergebenen Medienwelt eingesetzt werden, müsste man schon lange Rumpel-Leadsänger zum Lieblingsbarden sagen dürfen. Anschliessend bin ich doch glatt über eine Kombo von anno 2004 gestossen, die mir fast entfallen wäre: Macha. Und weil 2004 musikalisch so schön war, lege ich noch Electrelane nach. Ihr Zweitling hatte mich richtig überrascht. Danach wurde es wieder progriger, was durchaus seine Berechtigung hat. Allein es fehlte Bell diese entspannte Unbedarftheit – die Leichtigkeit war irgendwie wech.

Von Sudenfed – Slow Down Ronnie (Tromatic Reflexxions, 2007) // myspace // label ::Domino Records // es sei an das grossartige Video von Feldermaus erinnert (youtube) Macha – Smash And Grab (Forget Tomorrow, 2004) // via betterpropadanda Electrelane – On Parade (The Power Out, 2004) // homebase – hier erlauben es die Künstlerinnen, alle Alben anzuhören. (Dringende Empfehlung an alle, an denen die Band bisher irgendwie vorbeigehuscht ist. // via betterPropaganda

tags: , ,

Im Gefolge von Newcomern wie Crystal Castles ist es derzeit nicht schwer, mit der Kombination von clubfähiger Musik und indiemässigen Verwurzelungen in Kanada Aufmerksamkeiten herauszuarbeiten. (Da wird doch diese Combo hier in direkter Nähe zu Arcade Fire gestellt. Ausserordentlich. Die Fehleinschätzung.) So geschen mit Wrongkong (was ein angestrengter Name). Ich hätte fast weggeschaltet, als ich ihn las. Meine Tanzbeine sind froh, hab ich es nicht getan. Auf jeden Fall passt das verschnittene Zeug aus der Verbandelung zwischen Calgary und Nürnberg hervorragend in die musikalische Sommerstimmung. Der hier vorgestellte, hauseigene Bandremix (Strike Boys sind das Ursprungsprojekt der beiden BandmitgliederTommy Yamaha and Martin Kaisa) kommt mit etwas mehr Drang zum Tanzboden um die Ecke – und das ist bei mir ja nie verkehrt. Ich persönlich hoffe, dass Leadsängerin Cyrena Dunbar – ihres Zeichens für die Verbindung nach Kanada verantwortlich – beim Live-Singen noch was draufzulegen hat. Wrongkong – Real Boy <The Strike Boys Remix> (Wrongkong, 2008) // myspace // label :: Mint Fresh

tags: , , ,

Im August wird das dritte Album der Stills erscheinen. Das Label gibt einen ersten Vorgeschmack und der hört sich deutlich nach mehr Pose an. Mit dem dritten Longplayer könnten die Kanadier die Scharte ausmerzen, die sie sich mit dem Zweitling Without Feathers eingebrockt hatten (daran konnten auch die Gastaufgtritte von Emily Haines/Metric und Jason Collett / Broken Social Scene nichts ändern). Exlaim – ein Magazin aus Kanada erlaubt freundlicherweise den Downlaod. The Stills – Being Here (Oceans Will Rise, August 2008) // label :: arts & crafts // artists

The Stills - Oceans Will Rise (cover)Tracklist: Don’t Talk Down Snow in California Snakecharming The Masses Being Here Everything I Build Panic Eastern Europe Hands on Fire Dinosaurs I’m With You Rooibos/Palm Wine Drinkard Statue of Sirens

Das neue Cover übrigens erinnert mich schmerzlich daran, dass gerade auch in der “Hoch”kunst geschmäcklerische Totenschädel fröhliche Urständ feiern (ich erinnere an den Aussetzer von Damien Hirst oder dem neuen “Superstar” Koh).

tags: , ,

Musik wird ja in letzter Zeit meist als Neuerscheinung besprochen. Dabei sind ja vor allem die Platten interessant, die man noch nach Jahren immer wieder vorkramt. Platten, die aufliegen und ich erinner mich sofort, wie gut das Zeug war ist. Und frage mich, wie das vergessen gehen konnte. Aber es gibt ja nur zwei Ohren und die wurden von der Musikindustrie konsequent auf Neues getrimmt. Deshalb werde ich jetzt wieder eine alte Tradition dieses Blogs aufnehmen und auf Sachen verweisen, die mir wieder unterkommen und vor lauter Neuigkeitengetöse fast vergessen gingen.

Heute ein Badly Drawn Boy, wie er beschwingter nur selten geklungen hat (eben das Debüt). Eine Prise London-Swing, umschmeichelndes Rufen und fertig ist das fast perfekt Stück in der Mitte eines Mixtapes für eine neue Flamme (wenn denn jemand sowas noch anfertigen sollte). Badly Drawn Boy – Once Around the Block (The Hour of Bewilderbeast, 2000 // frei zugänglich via fingertips // artist (via XL recordings)

tags: , ,