Marcel Duchamp und die moderne Kunst

By in europa, industrie, kunst, medien on 23. März 2008

Marcel Duchamp & Prof. Dr. Werner Spies
Foto: wasserscheide.eu

Marcel Duchamp (1887–1968) gilt sicher zu Recht als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und hat die moderne wohl kaum geprägt wie ein anderer. Er zählt zu den Wegbereitern des und des und ist Mitbegründer der . Ich würde behaupten, in Duchamp hatte sich eine Künstlerpersönlichkeit manifestiert, die die Auseinandersetzung in der der zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts dominieren sollte. Jenseits einer Festlegung und damit Festschreibung in und mit Medien. Ihn zeichnet eine durch mediale Unabhängigkeit gekennzeichnete Kreativität aus. Der Zugehörigkeit zu den einzelnen Medien und den ihnen eingeschriebenen Ausdrucksmöglichkeiten ist er immer wieder durch deren Überschreitung entgangen.

Interessant ist er für mich auch, weil er einer der wenigen Künstler der Avantgarde ist, der sich den Zugang zu Technik bzw. den Umgang mit Technologie offen gelassen hat. Mit offen gelassen meine ich, es ist weder eine absolutistische Technikkritik aus seinem Werk herauszulesen, noch eine Anbetung derselben, wie sie von den Futuristen oder Teilen der russischen Avantgarde vertreten wurde.
Dieser Teil seines Schaffens – die Ready-mades – hat später viele Künstler der 60er und 7oer beeinflusst. Das Konzept einer Gegenkunst, die sich mit gefunden Gegenständen und Alltäglichem auseinandersetzte bzw. sie ins Zentrum der Auseinandersetzung nahm. Auch hier war Duchamp seinen Zeitgenossen weit voraus, wenn man sich ansieht, wann er seine ersten Werke inszenierte und wann in grossem Stil umgesetzt wurden. Aus dieser ersten Zeit der Auseinandersetzung um Technik gefällt mir sowohl inhaltlich wie auch von der formalen Lösung sein Fahrrad-Rad ungemein. Es ist von 1913 und verrät einen ironischen Zugang zum Thema, wie es bei dem heiligen Ernst der Russen – den ersten Maschinenkünstlern, die der Einfachheit halber oft als russische Konstruktivisten zusammengefasst werden, viel zu selten war.

Fahrrad-Rad, 1913, Rad auf hölzernem Hocker

An seinem Hauptwerk – das mir bis vor kurzem gänzlich unbekannt war – arbeitete Duchamp mehr als 8 Jahre, von 1915-1923 – um genau zu sein. „Die Neuvermählte/Braut wird von ihren Junggesellen entkleidet, sogar – oder kurz: Das grosse Glas (Öl, Blei Bleidraht, Folie, Staub und Firnis auf Glas). Es ist nicht vollendet und heute in einer “gesprungenen” Fassung erhalten. Es gilt als grossartiger Versuch der aufkommenden Konzeptkunst und hat Duchamp für seine Verhältnisse extrem lange beschäftigt.

Das grosse Glas
(Abbildung via e-art)

Einen interessaten Text findet man bei cosmopolis.ch – Biografie, Leben und Werk – basierend auf Calvin Tomkins: Ein Leben zwischen Eros, Schach und Kunst
Duchamp bei Wikipedia
Empfehlenswert ist der Wikimedia-Bereich zu Duchamp

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