Sehr nobel von den Jungs, uns ihr zweites HipHop-Remixalbum zu offerieren. Und da bei mir das Teil hin und wieder schwere Rotation mitmacht, übe ich mich in missionarischem Eifer und empfehle das Freiladen.
Die Überschrift ist aus einem eben beim
Kunstblock entdeckten Artikel: Leben bevor die Handwerker kommen. Zur Ästhetik des Durchwurstelns. - Über die sozialen Lesarten künstlerischer Verwaltung in einer Gesellschaft, die das Einkommen bzw. die Lebensqualität von Künstlern nur wenig interessiert bzw. nur wenig thematisiert. Was das mit Durchwursteln zu tun hat - ein kurzes Zitat:
So denkt man beim Begriff des „Durchwurstelns“ in Zusammenhang mit KünstlerInnen auch zuerst an Fragen der Ökonomie, ihrem Leben als Low Budget Produktion. Das kann man sich aber ganz entspannt mit einer Tüte Popcorn reintun, denn Improvisation ist immer eine Lachnummer. Künstlerideologien scheinen dagegen auf soliderem Fundament errichtet, man lehnt sich mit zusammengekniffenen Augen nach vorne und versucht zu verstehen.
Der Artikel ist ausgesprochen lesenswert. Und um dann den künftigen Arbeitsweg nicht nur von Künstlern und Publizisten zu skizzieren, wird eine intelligente Brücke zur aktuellen Erwerbstätigkeit gezogen.
„Viele Künstler und Publizisten arbeiten als ehrenamtliche Mitarbeiter im Kulturbereich, erzielen Einkünfte durch niedrig bezahlte Dienstleistungen oder treten auf den Markt als die ‘neuen Selbständigen’ auf. Dabei bewegen sie sich häufig zwischen Sequenzen von Erwerbs- und Nichterwerbszeiten und arbeiten traditionell unter Arbeitsbedingungen, die nicht dem Normalarbeitsverhältnis entsprechen. So lautet die Kernfrage, inwieweit Arbeitsmärkte der Künstler und Publizisten zukunftsweisend für eine künftige Wissens- und Mediengesellschaft sind.“ (Haak, Carroll; Schmid, Günther, Arbeitsmärkte für Künstler und Publizisten – Modelle einer zukünftigen Arbeitswelt?, 1999)
Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen und man sollte Universitäten und Kunstausbildungseinrichtungen darauf hinweisen, vielleicht mal das eine oder andere Seminar dem Thema Erwerbsfähigkeit zu widmen. -
kompletter Beitrag
Einer davon ist eine Art Fotostory - weil ich mich selbst für die nächsten Monate genau solchen Dingen widmen werde. Man kennt sie aus der Bravo. Zum Beispiel. Und da waren sie meist öde und später lustig. Thomas Bachler hat sich hier genau angeschaut, wie das so geht mit dem Lebewesen, das eben noch im Wald herumlief und dann etwas später als Trohpäe an der Wand zu hängen. Schöner Schlusssatz, da in seiner Beschreibung.
Über die Wandlung vom Lebewesen zum Gegenstand, um so in neuer Form weiter zu leben und zu überleben. Ein Rehbock wird erlegt, seine Trophäe wird abgeschlagen, präpariert und zum Schluss an der Wand aufgehängt. Dort wartet sie, bis der Jäger selbst einmal sterben wird.
Die ganze Fotogeschichte unter seiner
Trophäenschau. Sehr empfehlenswert auch seine Polaroids oder die Experimente mit Filmmaterial unterschiedlichster Art.
Neuer Kurs. Grundlagen Fotografie. Gestern gabs die gemeinsame Ausstellungsbegehung.
Helmhaus in Zürich, Weltbilder II. Unser Kursleiter Istvan Balogh war mit einer Serie von Frauenporträts vertreten, Sur-Face 2007.
Die gesamte Serie ist auf seiner
Homepage zu studieren.
Mich haben nicht alle Arbeiten dieser Ausstellung angesprochen. Zum Beispiel die drei Fotos aus der Berliner Heimat. Fotos von russischen/polnischen Denkmälern in Berlin - irgendwie nicht. Ist das jetzt sozialistische Romantik, effektvolle Hinweisfotografie oder in welchem Zusammenhang stehen diese Relikte sozialistischer Heldenverehrung?
Etwas mehr konnte ich mit den Arbeiten von Guadalupe Ruiz aus Kolumbien anfangen. Sie fotografierte die Wohnungen unterschiedlicher sozialer Klassen. Je sechs ausgeschnittene Innenansichten, die für je einen Bezirk in Bogotà stehen - die je eine Art soziales Millieu repräsentieren (gemessen an der Kaufkraft seiner BewohnerInnen). Diese sechs sozialen Bereiche werden von der Stadtbehörde geschätzt und sind dann verantwortlich für die Steuern, die in diesen Zonen dann gezahlt werden müssen. Bei den Arbeiten von Ruiz sind dann nicht nur die Unterschiede in der Qualität des Interieurs offensichtlich. Mann kann wunderbar studieren, dass die Strukturen, die formellen und symbolischen Formen, die die Wohnräume auszeichnen gar nicht so unterschiedlich sind. Es braucht immer Sofas, Kissen, Bilder an den Wänden, Nippes und ähnliches. Und an den Wänden hängen Bilder (gerahmt oder nichtgerahmt) von Jesus und/oder Maria oder von kitschigen Landschaften. - Mehr Fotos von ihr auf
lupita.ch
Und weil Istvan ein ungarischer Vorname ist und weil es dieses interessante Stück für lau auf der Homepage der Band gibt, stelle ich hier noch eine Band aus Budapest neben den Fotoeintrag.
Medienkonvergenz in früh. Walter Ruttmann versuchte in seinen Experimentalfilmen bereits in den 20er Jahren, Malerei und Film zusammenzubringen. In seinem Aufsatz Malerei und Zeit, den er wahrscheinlich in den ersten 10 Jahren des 20. Jahrhunderts verfasste, beschwört er eine neue Kunst, einen neuen Künstler herauf. Als Antwort auf die extrem überhöhte Geschwindigkeit, mit der die Menschen in den 20er Jahren leben lernen mussten - “Telegrafen, Schnellzüge, Stenografie, Fotografie et cetera. ” sieht Ruttmann eine neue Kunstform, die sich mit diesem neuen Lebensgefühl auseinandersetzt - “… eine ganz neue Kunst, Malerei mit Zeit.
“Eine Kunst für das Auge, die sich von der Malerei dadurch unterscheidet, daß sie sich zeitlich abspielt (wie Musik), und daß der Schwerpunkt des Künstlerischen nicht (wie im Bild) in der Reduktion eines (realen oder formalen) Vorgangs auf einen Moment liegt, sondern gerade in der zeitlichen Entwicklung des Formalen. Da diese Kunst sich zeitlich abwickelt, ist eines ihrer wichtigsten Elemente der Zeit-Rhythmus des optischen Geschehens. Es wird sich deshalb ein ganz neuer, bisher nur latent vorhandener Typus von Künstler herausstellen, der etwa in der Mitte von Malerei und Musik steht.”
Für einen Moment schien Ruttmann Recht zu haben, wenn er im Verlauf seines Aufsatzes die Malerei zu Grabe tragen will. Er hat sich getäuscht - zum Glück. Denn sowohl in den 50er Jahren als auch heute wieder erfreut sich die Malerei eines fast hyperartigem Comebacks. Geschwindigkeiten und neue Medien scheinen ihr nur im ersten Reflex etwas anzuhaben.
Zu seinen bekanntesten Werken zählt sicherlich “Berlin - Sinfonie einer Grosstadt” - in der er von einer abstrakten Szene ausgehend - in die konkrete Dokumentation der Berlin der 20er Jahre wechselt. Ein Film, der von der Rhythmik der Stadt lebt und gerade versucht, eben sinfonische Strukturen filmisch umzusetzen. Den Film kann man sich fast komplett via
Youtube ansehen - in einzelne Häppchen aufgeTeilt (Für sowas ist Youtube wirklich richtig gross.)
Walter Ruttmann, Malerei mit Zeit (in: Birgit Hein/Wulf Herzogenrath (Hg.): Film als Film, 1910 bis heute)
Ruttmann-Biografie im
Medien-Kunst-Netz und bei
Wikipedia.