Aby Warburg und die Erinnerung

By in kultur, kunst, medien on 11. November 2007

Aby Warburg – ein Gelehrter, der nie ein Buch schrieb und auch keinen Lehrstuhl innehatte. Ist ja schon mal grundsätzlich sympathisch. Einige biografische Eckdaten: geb. 1866, aus bürgerlich, jüdischer Kaufmannsfamilie, konservative Erziehung, starb 1929 in Hamburg.
Bekannt von ihm dürfte sein Vortrag “Schlangenritual” über die Pueblo-Indiander in New Mexiko sein. Ausserdem hat er eine irrsinnig umfassende über Sternenkunde angelegt. Vieles von ihm ist fragmentarisch und mutet an wie Schnipsel über die Gedanken und Ordnungssysteme eines Menschen, der unglaublich viel wissen wollte. Seine kompletten Sammlungen wurden im Warburg Institute in London zusammengetragen.

Warburg Institute

In einem seiner Hauptwerke Mnemosyne erarbeitet er assoziativ Wissen und kulturelles Erinnern. Dieses Werk kann man als einen Versuch betrachten, die scheinbare Flüchtigkeit kultureller Zusammenhänge und ihrer auffallenden Beständigkeit in ihrer Tradition festzuhalten. Mittelpunkt seines Interesses war das Weiterleben der in der europäischen Kultur. Die komplette Bezeichnung seiner Sammlung nannte er unmissverständlich:

Mnemosyne. Bilderreihen zu einer kulturwissenschaftlichen Betrachtung antikisierender Ausdrucksprägung.

Auf mit schwarzem Stoff bezogenen Rahmen wurden Fotografien von Bildern zusammengetragen, gruppiert und wieder neu angeordnet. – Man spricht deshalb von einem Bildaltals. Sein Vorgehen würde heute als interdisziplinär bezeichnet werden, denn er beschränkte sich bei seinen assoziativen Grabungen keineswegs auf die europäische Kunstgeschichte. Auf so einer Tafel konnten ungehindert Briefmarken, Plakate, Abbilder von bekannten Kunstwerken oder Zeitungsausschnitte nebeneinander angebracht werden.
Auf diese Weise kamen über die Jahre 1500 – 2000 Fotos zusammen – weder mit Bildunterschriften noch mit Kommentaren versehen. Allein die eigenen eröffnen die hier entstandenen Zugänge tradierten, bewussten oder unbewussten Wissens.

Warburg Bildatlas Warburg - Bildatlas, Tafel 79

Mnemosyne – wie eigentlich fast alle seine Arbeiten Warbugs – blieb unvollständig und heute nicht mehr erhalten. Die ursprünglichen Tafeln sind lediglich in Auszügen aus Reproduktionen zeitgenössischer Fotografien dokumentarisch erhalten geblieben. – Auch daran erinnert Mnemosyne nicht nur entfernt an die Arbeiten von Armand Schulthess bzw. umgekehrt dessen Lebensbibliothek an Aby Warburgs Arbeit.

Aby Warburg bei Wikipedia

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